Berlin-Schöneberg - Vier „Ritter“ sind sehr bekannt im Süden von Schöneberg, kein Wunder, denn sie thronen hier wirklich stolz über allem: Von wo man im Gebiet nahe dem Bahnhof Südkreuz auch schaut, immer sieht man die vier Schlote der ehemaligen Malzfabrik. Jeder dieser Vier hat einen riesigen Metallaufsatz, der an einen Ritterhelm erinnert, daher der Name der Wahrzeichen. Das Beste aber ist, dass sich die Kappen immer schön mit dem Wind drehen. So etwas war früher eigens eine Konstruktion für die Malzherstellung, solche Darrhauben hatte jede Mälzerei. Je nachdem, woher ein Lüftchen weht, bewegen sich die Schlotaufsätze, immer weitgehend synchron. Das tun sie bis heute. Jeweils 3,3 Tonnen Metall ächzen los, alle Wetter!

Heute ist die Malzfabrik ein Kreativstandort für Start-ups und Kultur, viele Firmen auf dem Gelände des Industriedenkmals beschäftigen sich mit nachhaltigen Ideen und mit Umweltprojekten. Gebraucht werden die kuriosen Relikte auf dem Dach natürlich schon längst nicht mehr, und dass sie sich wirklich drehen, ist schon gar nicht nötig. Aber sie stehen seit langem mit den Gebäuden unter Denkmalschutz. 

Mälzerei in Schöneberg: Größte und modernste Malzfabrik weltweit

Vor einigen Jahren ließ sie der Besitzer des Areals dann aufwendig restaurieren, sie sind nun wieder geradezu leichtgängig – trotz schierer Masse, trotz des hohen Alters. „In Berlin sind es die einzigen verbliebenen Darrhauben“, sagt Nico Kupfer, Mitarbeiter im Berliner Zentrum Industriekultur. „Mälzereien gab es früher in vielen Stadtteilen“, erläutert Kupfer. Aber nur hier, in Schöneberg, gibt es die markanten Türme mitsamt ihrer Wahrzeichen noch. 

Schultheiss ließ die Anlage in den Jahren ab 1914 bauen, und zwar nicht als Anhängsel an eine bestehende Brauerei, sondern als ganz eigenständige Fabrik nur für die Malzherstellung. Zeitweilig galt die Mälzerei an der Bessemerstraße in Schöneberg sogar als größte und modernste weltweit. Und so hatte sie denn auch die aufwendigsten Kappen auf ihren Darrentürmen. Bis heute sind diese vier Darren, jede davon ist sechs Meter hoch, mit die Größten ihrer Art.

Mälzerei in Schöneberg: Monatliche Führungen zur Historie

Dabei sind die Kappen so konstruiert, dass sie mittels ihrer Drehungen ständig einen Luftzug im Inneren des Gebäudes erzeugten. Das war für das Darren – den entscheidenden Schritt in der Malzherstellung – wichtig. Das in vorherigen Arbeitsschritten ausgekeimte Grünmalz musste nun nämlich unter Hitze getrocknet und die feuchte Luft zuverlässig abgezogen werden. Im fränkischen Kulmbach hatte sich eine Brauerei bereits um 1900 eben dieses System patentieren lassen. So bot der Aufsatz auch Schutz vor Regenwasser, Wind und Wetter. Bis weit in die Nachkriegszeit wurde so gedarrt. An zwei Sonnabenden pro Monat gibt es auch Führungen zur Historie des Ortes: tunneltours.de