„Zocken“ ist im Teenageralter wohl die coolste Beschäftigung. 
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BerlinDie beiden Jungs sind nicht laut, aber eben auch nicht zu überhören. Einer ist blond, der andere hat schwarze Haare, letzterer hat noch eine glockenklare Stimme, während die des anderen erste Anzeichen eines Stimmbruchs erkennen lässt. Sie sind offensichtlich in der sechsten Klasse, denn sie unterhalten sich über die weiterführenden Schulen, bei denen kürzlich Anmeldeschluss war. 

Der Dunkelhaarige erzählt, dass sich ein Mitschüler trotz eines Notendurchschnitts von 1,0 nicht fürs Gymnasium, sondern eine Sekundarschule entschieden habe. Dort dauere der Weg zum Abitur zwar ein Jahr länger, „aber dafür kann er da voll chillen, das ist auch gut“. Er hustet vorbildlich in die Armbeuge.

„Was machst du in deiner Freizeit?“ - „Zocken“

Weil die beiden sowieso erst viel später erfahren, ob sie selbst Plätze auf ihren Wunschschulen bekommen werden, wechseln sie das Thema. „Was machst du in deiner Freizeit?“, fragt der Dunkelhaarige. „Zocken“, erwidert der Blonde und verzichtet dabei trotz der naheliegenden Antwort auf jede für dieses Alter so typische Abfälligkeit im Ton, die ausdrückt: Was fragst du so blöd, ist doch wohl klar!

Die Antwort war dem anderen natürlich selbst schon vorher bewusst, was er ebenso ohne aufgesetzte Coolness zum Ausdruck bringt, als er nachfragt: „Aber was?“ Es folgt ein kurzes Fachgespräch über „Fortnite“ und die dafür am besten geeignete Plattform (PC oder Konsole?), dann die Übereinstimmung, abgehakt, nächstes Thema. Keine Rechthaberei, kein Beharren oder zudringliches Überzeugen des anderen. Ein im Umgang miteinander grundsympathisches Duo, sehr erwachsen und im besten Sinn selbstbewusst im fortgeschrittenen Kindsein.

Ein kurzer Handschlag und dann ist gut

Als sich bald darauf die Tür der Tram öffnet und einer aussteigen muss, verabschieden sie sich mit einem kurzen Handschlag und aufrichtiger Freude, sich mal wieder gesehen zu haben. Sie verzichten dabei auf diese unehrlichen Floskeln der Erwachsenen, die Nähe vorgaukeln, die nicht existiert: „Wir sehen uns.“ oder „Lass uns doch mal treffen.“ – was beides nie passiert, eben weil es noch nie passiert ist, was ein zufälliges Treffen in einer Bahn oder sonst wo trotzdem nicht schmälert und einen zugewandten Austausch ungeachtet des flüchtigen Moments nicht weniger ehrlich macht. Manchmal sind Kinder die klügeren Erwachsenen.