Mangel an Trainingsmöglichkeiten: Berliner Sportfunktionäre klagen über zu wenig Hallen wegen der Flüchtlingskrise

Kathrin Brachwitz hat beim 9. Jahresempfang des Berliner Sports am Dienstagabend lange warten müssen, bis sie Grund zum Klatschen fand. Die Berliner CDU-Fraktion hatte ins Abgeordnetenhaus geladen. Aber die Worte von Sportsenator Frank Henkel animierten die Präsidentin des Berliner Karate Verbandes nicht zu Beifall. Das Motto des Abends: „Berlin ist und bleibt Sportmetropole Nummer eins in Deutschland.“ Auch nach der gescheiterten Olympiabewerbung? Natürlich, lautete Henkels Botschaft, „weil wir eine Sportinfrastruktur haben mit tollen Anlagen und leistungsfähigen Arenen“.

Konzept für den Nachwuchs

Neben einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung der Bäderbetriebe werde im Olympiapark eine neue Ballsporthalle entstehen. Man halte zudem am Ausbau des Jahn-Sportparks fest, außerdem werde es darum gehen, neue Sporträume, etwa Parksportkonzepte, zu erschließen. Man sei dabei, ein Leistungssportkonzept 2024 insbesondere für den Nachwuchsbereich auszuarbeiten.

„Wie denn, wenn Sie keine Turnhallen haben?“, hatte ihn vor der Veranstaltung jemand gefragt. „Wie denn, wenn uns die Trainingsmöglichkeiten fehlen?“, fragt sich Brachwitz seit Monaten. Sie ist nicht nur Präsidentin des Karate-Verbandes, sondern auch Trainerin beim Hellersdorfer Athletik-Club. Eine Frau der Basis. Und der Basis fehlen Hallenzeiten. Zum einen, weil derzeit sechs Sporthallen in Berlin von Flüchtlingen belegt sind. Zum anderen, weil marode Hallen gesperrt werden mussten. „Der Unmut ist groß bei den Landesverbänden“, sagt Brachwitz.

Ihr eigener Unmut wächst ständig. Weil Karate als nicht-olympische Sportart bei der Vergabe der Hallenzeiten hinter dem Ballsport und den olympischen Sportarten ohnehin zurückstehen muss. Weil ihr von zehn beantragten Terminen für Meisterschaften in Berliner Sporthallen nur zwei zugesagt wurden. Weil sie Wettkämpfe und Lehrgänge streichen muss. Weil ihre mehr als 4 000 Berliner Mitglieder mehr Trainingszeiten bräuchten, gerade jetzt, da Tokio als Ausrichter der Olympischen Spiele 2020 Karate als neue Olympiasportart vorgeschlagen hat.

Henkel: Man müsse eben abwägen

„Ich bin ja nicht von Sinnen“, sagte Sportsenator Henkel. „Ich weiß ja, was es bedeutet, wenn wir überlegen, ob wir im Sportforum Hallen zur Verfügung stellen. Ich weiß, dass wir in einem Jahr in Rio Olympische Spiele haben. Ich weiß, dass wir die Flugtickets für unsere Sportler stornieren können, wenn wir keine Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung haben.“ Aber er habe eben abwägen müssen.

Als Sprecher der Sportmetropole Berlin und Manager der Berlin Volleys führte Kaweh Niroomand die 2200 Berliner Sportklubs und mehr als 600.000 in Vereinen organisierte Sportler sowie die Expertise bei der Veranstaltung von Großveranstaltungen als Grundlage an, dass Berlin Deutschlands Sportmetropole Nummer eins ist. Damit die Stadt diese Position behält, dürften künftig „nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip Gelder für Großveranstaltungen vergeben werden, die der Stadt nichts bringen“.

Bei der Integrationsarbeit leiste der Sport ohnehin schon lange nachhaltige Arbeit. Deshalb forderte Niroomand Sportsenator Henkel direkt auf: „Ich bitte Sie, keine Hallenschließungen mehr. Da spreche ich nicht nur für die Bundesligisten, sondern auch für die Vereine und Schulen. Ich würde es toll finden im Sinne der Sportmetropole, wenn so eine Bekenntnis von Seiten des Senats kommen würde.“ Kathrin Brachwitz applaudierte. Das taten in diesem Moment alle Sportvertreter von der Basis.