Der Mangel an U-Bahn-Zügen gefährdet zunehmend den täglichen Verkehr in Berlin. Muss deshalb bald eine U-Bahnlinie komplett eingestellt werden? Diese Frage scheint immer konkreter zu werden.

Wie die Berliner Zeitung bereits berichtet hatte, wird der Kauf neuer Fahrzeuge von Siemens gebremst. Der Konzern kann keine neuen Züge liefern, weshalb die BVG ohne Ausschreibung bei der Firma Stadler in Pankow Züge bestellen wollte. Dagegen zog Siemens allerdings vor die Vergabekammer und klagt nun vor dem Kammergericht. 

Linie mit schmaleren Fahrzeugen in Gefahr

Die nächste Verhandlungsrunde soll am 16. Oktober sein. Derzeit sind so viele U-Bahn-Züge defekt und in Reparatur, dass ein normaler Betrieb bald nicht mehr möglich ist.

Sollte der Bestand an Fahrzeugen der Linien U1 bis U4 weiter abnehmen - dort fahren schmalere Züge als auf den anderen Strecken - tritt der schlimmste Fall ein: Einer U-Bahn-Linie droht das Aus.

Konkret betreffe das wohl am ehesten die Linie U4 zwischen Nollendorfplatz und Innsbrucker Platz, schreibt der Tagesspiegel. Bislang dementiert die BVG allerdings die Stilllegung der U4. „Ich kenne solche Gedankenspiele nicht“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Zeitung.

Die Flotte aus den 800 Wagen des Großprofils (U-Bahnlinien 5 bis 9) und den 472 Wagen des Kleinprofils (U1 bis U4) ist im Durchschnitt 29 Jahre alt. Deshalb läuft seit 2016 eine europaweite Ausschreibung, die aber frühestens 2019 zu einem Zuschlag führen kann. Bestellt werden sollen mindestens 446 Wagen, die Lieferung soll im Jahr 2021 beginnen. (BLZ)