Der Bau eines Wohnturms wurde nach Protesten der Anwohner gestrichen, einem anderen Projekt um die Ecke droht nun angeblich aus Lärmschutzgründen das Aus: Nachdem die Pläne der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) für ein Wohnhochhaus auf der Fischerinsel auf Druck der Politik verworfen wurden, könnte nun ein von der WBM geplantes Wohnhochhaus an der Köpenicker Straße/Ecke Michaelkirchstraße scheitern.

In dem zwölfgeschossigen Gebäude sowie einer angrenzenden dreigeschossigen Zeilenbebauung sollten insgesamt 160 Wohnungen entstehen. Das Problem: Ganz in der Nähe befinden sich das Heizkraftwerk Mitte sowie der Sage-Club und der Tresor. Zwar werden die zulässigen Lärmgrenzwerte für den Wohnturm nach jetzigen Prognosen eingehalten – aber in der Nacht wird bereits der höchstzulässige Wert von 45 Dezibel erreicht.

Laut WBM hat der Bezirk einen positiven Bauvorbescheid für das Projekt nur unter der Maßgabe erteilt, dass nach Errichtung und Bezug des Gebäudes Schallschutzmessungen durchgeführt werden – und dass der zulässige Grenzwert eingehalten wird. Zu risikoreich, befand die WBM. Statt der geplanten Wohnungen will sie deswegen Büros in dem Turm bauen.

Mittes Umweltstadträtin Sabine Weißler (Grüne) ist überrascht: „Für uns ist das geplante Wohnhochhaus ein unproblematischer Fall“, sagt sie. „Wir sehen keine Hindernisse, an dieser Stelle Wohnungen zu errichten.“ Die tagsüber ermittelten Lärmwerte seien unspektakulär. Die nachts ermittelten Werte hätten ebenfalls noch im zulässigen Bereich gelegen, „wenn auch nur knapp“.

Doch Weißler sagt: „Selbst wenn die zulässigen Werte nach der Fertigstellung des Hauses zeitweise überschritten werden sollten, wäre dies noch kein Grund, die Wohnungen zu sperren.“ Eine Überschreitung der Lärmwerte könnte allerdings Auswirkungen auf die Lärmerzeuger haben. Eine Schließung der Clubs sei damit aber nicht gemeint. Weißler erwartet indes nicht, dass sich die Lärmsituation verschlimmert, im Gegenteil: Je mehr Leute dort leben und aus dem Kiez ein Wohngebiet machen, „umso leiser wird es dort werden“. Dazu könne auch die WBM beitragen.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) will an den Plänen für das Wohnhochhaus festhalten. „Wir brauchen die Wohnungsbaugesellschaften nicht als Bauträger für Büros, sondern wir brauchen sie als Bauträger für Wohnungen“, erklärte die Senatorin jetzt. Mit dem Bezirk solle erörtert werden, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, um den Wohnturm zu realisieren. Die WBM zeigt sich für Gespräche offen. „Wir gehen gerne in den Dialog“, sagt WBM-Sprecherin Steffi Pianka.

Lompscher hatte zuvor eine erneute Bürgerbeteiligung für die Bebauung auf der Fischerinsel unterstützt. In der Folge wurde der vor zwei Jahren von einer Jury mit Senatsbaudirektorin Lüscher zum Sieger gekürte Hochhaus-Entwurf gestoppt, der den Bau eines rund 58 Meter hohen Turms vorsah.

Nun soll der damals drittplatzierte Entwurf des Architekturbüros Blauraum realisiert werden. Er sieht eine achtgeschossige Blockrandbebauung vor, die rund 25 Meter hoch wird. Der Bezirk Mitte hatte sich gegen die Hochhaus-Bebauung auf der Fischerinsel positioniert, war unter dem alten Senat aber gescheitert.