Für Wohnungssuchende wird es immer schwerer, eine neue Bleibe in Berlin zu finden. Denn es gibt immer weniger freie Wohnungen. Bei den Mitgliedsunternehmen des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) verringerte sich die Zahl der nicht vermieteten Wohnungen im vergangenen Jahr um rund 2 000 auf 15 000, wie der BBU am Dienstag mitteilte. Damit ist der niedrigste Stand seit 17 Jahren erreicht. „Wir nähern uns mit großen Schritten der Situation Anfang der 90er-Jahre“, sagte BBU-Chefin Maren Kern. Damals waren Wohnungen in der Stadt Mangelware.

„Nur mehr Neubau kann für einen entspannten Berliner Wohnungsmarkt sorgen“, sagte Kern und forderte, dass die Wohnungspolitik zur „Chefsache“ werden müsse. Dem BBU gehören in Berlin 143 Unternehmen an.

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Besonders alarmierend: Von den rund 15 000 nicht vermieteten Wohnungen stehen nur noch knapp 4 000 aufgrund von Vermietungsschwierigkeiten leer. 28,2 Prozent sind wegen eines Mieterwechsels nur kurzfristig nicht vermietet. Weitere 28,6 Prozent Wohnungen werden gerade instand gesetzt oder modernisiert. Zusätzliches Problem: Von den rund 4 000 schwer vermietbaren Wohnungen dürfte nach Einschätzung des BBU wahrscheinlich nur die Hälfte tatsächlich zur Verfügung stehen, weil es sich bei der anderen Hälfte um Sozialwohnungen handelt, die wegen der hohen Miete kaum noch an Bedürftige zu vermieten sind.

Berliner ziehen immer weniger um

Auffällig ist, dass jetzt auch in den Randbezirken die Zahl der leerstehenden Wohnungen sinkt. Besonders stark verringerte sich die Zahl nicht vermieteter Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf (minus 0,9 Prozentpunkte). In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Leerstandsquote hier um fast zehn Prozentpunkte verringert. Am höchsten war der Leerstand Ende 2012 in Zehlendorf, was der BBU mit laufenden Modernisierungen begründet, am niedrigsten in Friedrichshain und Hohenschönhausen sowie in Charlottenburg und Wilmersdorf.

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Weil es immer weniger freie Wohnungen gibt, ziehen die Berliner auch weniger um. Nur noch sieben Prozent der Mieter kündigten ihre Wohnung im Jahr 2012. Im Jahr zuvor waren es noch acht Prozent. „Das sind pro Jahr nochmal fast 10 000 Umzüge weniger“, sagte BBU-Chefin Kern. „Wer eine gute Wohnung hat, gibt sie jetzt so schnell nicht mehr her.“ Der Rückgang bei den Umzügen zeigt sich vor allem in der Innenstadt. In Friedrichshain, Kreuzberg oder dem Altbezirk Mitte ziehen mittlerweile nur noch knapp fünf Prozent der Mieter jährlich um.

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Die Mieten bei den BBU-Mitgliedsunternehmen sind im vergangenen Jahr in bestehenden Mietverhältnissen um 2,4 Prozent gestiegen. Sie entwickelten sich nach Darstellung des BBU damit „ganz im Takt mit der allgemeinen Preisentwicklung“ von 2,2 Prozent. Mit 5,15 Euro je Quadratmeter monatlich lagen die Kaltmieten bei den BBU-Mitgliedern im Durchschnitt um 0,12 Euro höher als im Jahr 2011. „Es gibt viele günstige Wohnungen, sie sind aber fast alle vermietet“, sagte Maren Kern. Angaben über die in der Regel sehr viel höheren Neuvertragsmieten im Jahr 2012 legte der BBU nicht vor. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren neue Verträge für eine durchschnittliche Kaltmiete von 5,60 Euro je Quadratmeter abgeschlossen worden. Sie lagen damit deutlich über den Mieten in bestehenden Verträgen.

BBU-Chefin Kern forderte, dass in Berlin mehr für den Wohnungsneubau getan werden müsse. Ziel sollte es sein, Baugenehmigungen so wie in Köln oder Hamburg innerhalb weniger Monate zu erteilen, statt dafür bis zu drei Jahre zu benötigen. Auf dem Tempelhofer Feld sowie auf dem Areal des Flughafens Tegel müssten zudem jeweils 10 000 Wohnungen gebaut werden. Geplant sind dort insgesamt rund 5 700 Wohnungen.

Dass der Markt auf die Nachfrage reagiert, zeigen erste Zahlen für 2013. Im ersten Quartal wurden nach Angaben des Amtes für Statistik 2 030 Wohnungen in Berlin genehmigt, davon 1 584 in Neubauten. Das entspricht einem Plus von 42,6 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.