Die Polizei hat einen Einsatz am Alexanderplatz am Montagnachmittag beendet, indem sie einen offenbar lebensmüden Mann mit einer Elektroschockpistole (Taser) ruhig stellte. Der Ägypter war gegen 16.30 Uhr auf den Brunnen geklettert. Wie ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung schilderte, drohte er, sich mit einer abgebrochenen Glasflasche in den Hals zu schneiden und umzubringen. Kleinere Schnittverletzungen hatte er sich bereits im Oberkörper zugefügt.

Augenzeugen berichteten, der Mann habe den Polizisten in einer Fremdsprache Dinge zugerufen, geflucht und gedroht. Auch soll er die Polizisten aufgefordert haben, ein Kamerateam zu ihm zu lassen. Ein Dolmetscher war vor Ort. Der Alexanderplatz war während des Einsatzes weiträumig abgesperrt.

Nähere Angaben zur Identität des Mannes in den Dreißigern, der mit freiem Oberkörper auf den Brunnen geklettert war, konnte die Polizei am frühen Abend noch nicht machen. Lediglich, dass es sich um einen ägyptischen Staatsbürger handelt, bestätigte sie. Informationen, wonach der Mann Forderungen bezüglich seines Asylverfahrens stellte, kommentierte die Polizei am Abend nicht.

Auch Feuerwehrleute waren auf dem Alexanderplatz im Einsatz. Mit einer Drehleiter versuchten sie, zu dem Mann auf dem Brunnen vorzudringen und ihn zum Herunterkommen zu bewegen - allerdings ohne Erfolg. Die Feuerwehr stellte das Wasser, das normalerweise den Brunnen hinab läuft, ab. Der öffentliche Nahverkehr am Alexanderplatz kam trotz des Großeinsatzes nicht zum Erliegen.

Gegen 18 Uhr konnte die Polizei den Mann schließlich dazu bewegen, von den spiralförmig angeordneten Schalen des Brunnens hinabzusteigen. Anschließend stand er eine Weile im Wasserbecken der Fontänen. Die Polizei ließ ein Kamerateam zu dem Ägypter vor, offenbar, um ihn abzulenken und den Taser-Einsatz vorzubereiten. Mit der Elektroschockpistole wurde der Mann überwältigt. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde er in ein Krankenhaus gebracht, dort soll auch eine Einweisung in die Psychiatrie geprüft werden.

Wirkung dauert fünf Sekunden an

Taser sind Distanz-Waffen, die zwei Metallpfeile verschießen. Die Geschosse sind mit Widerhaken versehen und durch Drähte mit der Pistole verbunden. Treffen die Haken auf einen Menschen, werden elektrische Impulse übertragen. Der Getroffene erleidet Stromschläge, die ihn außer Gefecht setzen. Die Wirkung der Impulse dauert fünf Sekunden an. Danach ist der Getroffene sofort wieder handlungsfähig.

Erst kürzlich hatte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) bekannt gegeben, auch Streifenpolizisten mit Tasern ausrüsten zu wollen. Kritiker bezeichneten die Einführung der Taser als reine Wahlkampf-Maßnahme. Bislang nutzte lediglich das Spezialeinsatzkommando die Elektrowaffen, deren Gebrauch im Gesetz über die Anwendung unmittelbaren Zwangs bei der Ausübung öffentlicher Gewalt (UZwG) geregelt ist.