Am Sonnabend feierte ein Mann auf einer Fetisch-Party im für seine Freizügigkeit bekannten KitKatClub in Mitte. Jetzt liegt er mit Hirnhautentzündung im Krankenhaus, sein Zustand soll kritisch sein. Gemeinsam mit den Clubbetreibern appellieren die Behörden an die Besucher: Wer vorigen Sonnabend im KitKatClub war, soll umgehend einen Arzt aufsuchen oder sich notfalls auch in ein Krankenhaus begeben.

Bislang ist unklar, ob der mit Meningokokken-Meningitis infizierte Mann den Erreger bereits in sich trug, als er den Club an der Köpenicker Straße besuchte oder sich erst dort ansteckte. Nach Informationen der Berliner Zeitung soll es sich um einen heterosexuellen Mann handeln. Als sich der Gesundheitszustand des Mannes am Montag verschlechterte, ging er zum Arzt. Dieser stellte eine Hirnhautentzündung fest, die ist nach dem Wohnortprinzip des Erkrankten meldepflichtig ist. So erfuhr das Bezirksamt Reinickendorf von der Infizierung.

Vivantes teilte am Donnerstag (4.10.) auf Nachfrage mit, dass bereits am Dienstagabend etliche Personen vorsorglich in die Rettungsstelle am Klinikum Neukölln gekommen waren. Einige Personen meldeten sich auch in der Rettungsstelle im Klinikum Am Urban.

Weitere Gäste könnten betroffen sein

„Bislang ist bekannt, dass die Meningokokken zu einer der Gruppen A, C, Y, W135 gehören“, teilte das Bezirksamt Reinickendorf mit. „Die Ansteckung erfolgt über Flüssigkeiten aus dem Mund- und Rachenraum. In der Regel ist dazu ein sehr enger Kontakt nötig“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Im KitKatClub kommt es häufig zu ungezwungenen sexuellen Handlungen, auch mit Fremden. Daher ist die Gefahr, dass sich weitere Gäste am Sonnabend mit Meningokokken infiziert haben, relativ hoch.

„Leider geht es dem erkrankten Gast sehr schlecht, deshalb war es auch nicht möglich, zu erfragen, mit wem er näheren Kontakt bei uns im Club hatte“, teilten die Club-Betreiber am Mittwoch mit. Deshalb habe sich das Bezirksamt entschieden, die Öffentlichkeit per Pressemitteilung zu informieren. Alle Mitarbeiter des Clubs sind laut Betreiber „bis jetzt symptomfrei und haben außerdem die Möglichkeit, vorsorglich eine Antibiotikatherapie zu beginnen. Damit ist eine Übertragung auf neue Gäste ausgeschlossen.“

Symptome erinnern an Nasen-Rachen-Infektion

Meningokokken sind Bakterien, die eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) und/oder eine Überschwemmung des Körpers mit Bakterien (Meningokokken-Sepsis) hervorrufen können. Sie siedeln bei manchen Menschen aber auch im Nasen-Rachen-Raum, ohne eine Erkrankung hervorzurufen.

Wenn die Krankheit ausbricht, beginnt sie nach Angaben des Gesundheitsamtes häufig als Nasen-Rachen-Infektion mit plötzlich auftretendem Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel und schwerem Krankheitsgefühl. Hinzu kommen Erbrechen, Nackensteifigkeit, Benommenheit, Bewusstseinstrübung, Krämpfe und Hautblutungen.

Nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend

Die Inkubationszeit – die Zeit zwischen der Erregeraufnahme und dem Auftreten erster Krankheitszeichen – beträgt bei Hirnhautentzündung zwei bis zehn Tage, in den meisten Fällen sind es drei bis vier Tage. Ganz entscheidend für den Ausgang der mitunter lebensgefährlichen Erkrankung ist eine sofortige Behandlung mit einem Antibiotikum. Bei Krankheitsverdacht sollte sich der Betroffene daher sofort in ärztliche Behandlung, nach Möglichkeit in einem Krankenhaus, begeben, rät das Gesundheitsamt.

Erkrankte Patienten sind in der Regel 24 Stunden nach Beginn der Behandlung mit wirksamen Antibiotika nicht mehr ansteckend. Daher müssen Patienten mit Meningokokkeninfektionen nur in den ersten 24 Stunden der Therapie räumlich isoliert werden.