Kinder beim Fußballtraining (Archiv).
Foto: Imago Images/Frank Sorge

BerlinMannschaftssport und Schwitzen in der Sauna sind in Berlin bald wieder erlaubt, über das Chorsingen und die Abstände in Kinos wird noch diskutiert, Clubs und Bordelle bleiben weiter geschlossen. Das teilten Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Dienstag nach der Sitzung des Senats mit.

Ab diesem Wochenende soll das Training auch für Mannschafts- und Kontaktsportarten wieder in Gruppen und ohne Abstand erlaubt sein. Der Senat wird in der jüngsten Änderung seiner Corona-Verordnung, die an diesem Samstag oder Sonntag in Kraft treten soll, lediglich feste Gruppen und Größen empfehlen. Im Mannschaftssport ist Training in festen Gruppen dann wieder mit bis zu 30 Personen möglich. Für Kampfsportler sind feste Trainingsgruppen mit maximal vier Personen plus Übungsleitung erlaubt. Auch Tanzen ist für feste Tanzpaare wieder gestattet genau wie die Nutzung von Segel- und Ruderbooten sowie Kanus zu Sportzwecken.

Der Wettkampfbetrieb soll ab dem 21. August wieder für Kontaktsportarten möglich sein, Wettkämpfe im überregionalen Ligenbetrieb soll es schon ab dem 15. August wieder geben können, so Kollatz. Ausnahmen könnten beantragt und auch vor dem 15. August genehmigt werden. Am 15. August will die Regionalliga Nordost in die neue Saison starten.

Auch Zuschauer sollen wieder zugelassen werden – wie viele genau pro Spiel dabei sein dürfen, müsse aber in den kommenden Tagen noch geklärt werden, so Kollatz. Er sprach von einer „ersten, vorsichtigen Öffnung“ für die Zuschauer, für die weiterhin Auflagen gelten werden, wie zum Beispiel ein Verbot von Fangesängen: „Das müssen wir auch miteinander üben.“

Der Berliner Sport hatte sich vor gut einer Woche in einem Offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) gewandt und auch vor dem Roten Rathaus dafür demonstriert, den Betrieb wieder aufnehmen zu dürfen. Berlin ist das letzte Bundesland, das im Sport nach wie vor das Kontaktverbot aufrechterhalten hat.

Auch die Saunen in der Hauptstadt dürfen ab dem Wochenende wieder öffnen – allerdings nur Trockensaunen. Dampfbäder und Aufgüsse bleiben untersagt.

Die leichten Lockerungen für die Gastronomie, die der Senat ebenfalls am Dienstag beschloss, sind eher Anpassungen an die Realität: In Zukunft dürfen in Restaurants sechs Personen miteinander an einem Tisch sitzen, ohne Abstand zu halten, kündigte Wirtschaftssenatorin Pop an. Nach der bisherigen Regelung hätten Angehörige aus unterschiedlichen Haushalten auch am selben Tisch 1,5 Meter Mindestabstand einhalten müssen – zumindest theoretisch.

Weitere Lockerungen für andere Bereiche stehen bereits fest auf dem Plan, wurden aber am Dienstag zunächst nur diskutiert und noch nicht beschlossen. So will der Senat zum Beispiel das Chorsingen in geschlossenen Räumen wieder erlauben. Wegen der Aerosole – kleinste Schwebteile, die das Coronavirus übertragen können – ist das Singen ein besonders komplizierter Fall für den Senat. Er ließ sich bereits vor Wochen dazu von Wissenschaftlern, unter anderen dem Virologen Christian Drosten, beraten. Eine „spezifische Regelung“ solle noch in dieser Woche getroffen werden, sagte Senatorin Pop am Dienstag.

Die aktuelle Corona-Infektionsschutzverordnung des Senats sieht vor, Chorproben in geschlossenen Räumen noch bis zum 24. Oktober zu unterbinden. Der Musikrat hatte bereits Ende Juni beklagt, dass das Singverbot unverhältnismäßig sei und Profis wie Amateuren unabhängig von der Größe des Raums ihre Tätigkeit untersage.

Auch die Kinos leiden und klagen über die aktuellen Corona-Regeln für ihre Branche. Sie müssen jeweils eine ganze Sitzreihe sowie innerhalb der Reihe zwei Sitzplätze zwischen Angehörigen eines Haushaltes frei lassen. Das raube enorm viel Platz und Umsatz. Der Senat diskutiert auch hier, in Zukunft auf die Abstände zu verzichten; in der nächsten Woche soll es laut Pop dazu neue Ansagen geben.

Dringend nötig, findet Christian Bräuer vom Verband AG Kino. „So wie jetzt geht es gar nicht“, sagt er. „Die Verluste sind so groß, wie wenn man geschlossen bleibt.“ Nordrhein-Westfalen mache Kino-Schauen ganz ohne Abstände möglich, auch in Ländern wie der Schweiz oder Italien sei das schon seit Wochen die Regel. Weder von dort noch aus anderen Ländern seien Infektionen bekannt.

Die 140 Berliner Clubs müssen ihre Innenräume weiterhin geschlossen halten, sie haben nach wie vor keine Öffnungsperspektive. Der Senat wolle aber „Grünflächen bereitstellen für Partys im Freien“, so Pop. Sie richtete sich am Dienstag mit einem Brief an die Bezirke, in dem sie dazu auffordert, Frei- und Grünflächen, Straßen und Plätze dafür zu öffnen.