Für Dienstag kommender Woche 9 Uhr hat sich die Gerichtsvollzieherin angekündigt. Sie soll im Auftrag des Hauseigentümers den Laden an der Manteuffelstraße 99 zwangsräumen. Es ist kein normaler Laden, um den es geht. Der „Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“, der von Hans-Georg Lindenau, genannt HG,  geführt wird, ist Kult im Kiez. Der 57-jährige Rollstuhlfahrer Lindenau gilt vielen als „letzter Revolutionär“ in Kreuzberg. Er hat bereits mehrere, von Gerichten bestätigte Kündigungen ignoriert, doch nun sieht es so aus, als könnte es ernst werden.

Seine Unterstützer bereiten Aktionen gegen die Räumung vor. An diesem Donnerstagabend trifft man sich zur Kiezversammlung mit Musik vor dem Laden, wie David Schuster vom Bündnis "Zwangsräumung verhindern" sagt: „Wir wollen zeigen, dass HG unsere Solidarität hat.“ Für den Sonntag wird zur Kiezdemo aufgerufen. Sie soll um 16 Uhr am Heinrichplatz beginnen, vor der Manteuffelstraße 99 ist  eine Kundgebung geplant. David Schuster: „Auf der Kiezrunde wollen wir mit Lautsprechern die Anwohner zur aktiven Solidarität  aufrufen.“

Sitzblockaden-Training und Demo

Wer diese eingeforderte Solidarität ernst nimmt, wird am Montagabend ab 18.30 Uhr zum „Blockade-Training“ vor dem Laden erwartet. Dort soll unter anderem demonstriert  werden, wie man sich bei Sitzblockaden richtig verhält. Ähnliche Aktionen hat das Bündnis schon öfters organisiert,  um von Zwangsräumung Betroffenen zu helfen. Ob die Aktion diesmal erfolgreich ist,  wird sich am Dienstag zeigen. Für 8 Uhr ruft das Bündnis  zur Blockade des Ladens auf. 

David Schuster: „Wir gehen aber davon aus, dass dort schon vorher abgesperrt sein wird, darauf werden wir flexibel reagieren.“ Man rechnet offenbar damit, dass der Eigentümer Hilfe der Polizei anfordert und hält es für möglich, dass sich Auseinandersetzungen wie in der Rigaer Straße wiederholen könnten.

Hans-Georg Lindenau hat inzwischen beantragt, die Zwangsräumung auszusetzen. Über den Antrag ist noch nicht entschieden.