Marcia Behrens präsentiert eine Auswahl der eleganten Verpackungen.
Foto: Thomas Uhlemann

BerlinLuxus manifestiert sich oft schon in der Verpackung. Das Neuköllner Unternehmen Fapack stellt mit seinen 35 Mitarbeitern zwar vorwiegend Verpackungen für die Industrie her. Seit 2010 aber ist es zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, produziert Luxus-Schachteln für Luxus-Produkte. Marcia Behrens  ist Geschäftsführende Prokuristin, führt Fapack in fünfter Generation.

Die 35-Jährige erklärt: „Der Betrieb war vor 150 Jahren als Buchbinderei und Kartonagenhersteller gegründet worden, machte zumBeispiel Hutschachteln für Berlins Modebranche.“Das sei über die Jahre zugunsten von Industrieverpackungen verloren gegangen. „Doch dann brauchten wir ein zweites Standbein, weil die Industrie in Berlin schrumpft.“ Auf Kundenwunsch und nach Kundenentwurf werden seither jetzt schmuckvolle Kästchen und Kästen fabriziert, im Kern aus Karton, geprägt, mit Papier, Leinen oder Samt bespannt, auch mal mit Seide ausgeschlagen.

Ohne Maschinen geht es auch in einer Manufaktur nicht: Kartonagenzuschneider Ralf Butschke bei der Arbeit.
Foto: Thomas Uhlemann

800.000 der 3,8 Millionen Euro Jahresumsatz machen die Luxus-Verpackungen aus. Marcia Behrens: „Berliner Unternehmen wollen schon gern Verpackungen, die in Berlin hergestellt werden.“ Die meisten Luxus-Kästchen kosten zwischen zwei und  zehn Euro.

Königliches Erbe

Zu den Kunden von Fapack zählen unter anderem die Porzellankünstler von KPM, dem  Aushängeschild der Berliner Luxus-Produktion. 220 Mitarbeiter, davon rund rund 80 Porzellan-Hersteller und 40 Maler, setzen in Tiergarten die 256 Jahre alte Tradition königlich preußischer Manufakturkunst fort.

Doreen Obermann, Figurenkeramformerin bei der KPM, arbeitet an einer Sauciere aus der "Kurland"-Reihe.
Foto: AKUD/Lars Reimann

Die Bandbreite der Produkte aus den verschiedensten Stilen reicht von 48 Euro für zwei Becher aus der „Lab-Serie“, angelehnt an Laborporzellan, über teilweise goldverziertes Geschirr bis zu 22.500 Euro für die „Prinzessinnen-Gruppe“, einer verkleinerten Replik des berühmten Werks von Johann Gottfried Schadow vom Ende des 18. Jahrhunderts. Es zeigt die preußischen Prinzessinnen Luise und Friederike.

Die 2006 vom Bankier Jörg Woltmann gekaufte KPM, die zuvor im Eigentum Berlins am Rande der Schließung entlanggeschrammt war, erzielte 2018 einen Umsatz von zwölf Millionen Euro, sechs Prozent mehr als 2017 und im vierten Jahr in Folge im Plus, und der Trend setzt sich fort.

Friedrich II., Preußenkönig, in vielfacher Ausführung. Der Monarch hatte 1761 eine bankrotte Porzellanmanufaktur übernommen und machte sie zur "königlichen".
Foto: ACUD/Lars Reimann

Theresa Haala-Hirt, Sprecherin des Unternehmens, versucht eine Definition von Luxus: „Es ist die Zeit, die wir uns für das Produkt nehmen, es ist die Liebe zum Detail, und es ist der Nutzen.“ Die Zeit „schreienden Luxus‘“ sei vorbei, in Berlin ohnehin nie en vogue gewesen. „Man gibt hier nicht an, aber man weiß, was gut ist.“

Verkauft wird das Porzellan in eigenen Shops, der Hauptmarkt ist Deutschland, Berliner Porzellan geht aber auch in die USA, nach Russland und Fernost. Bei Theresa Haala-Hirt schwingt Stolz mit, als sie berichtet, dass die KPM auch in Jingdezhen ein Geschäft hat, der Stadt, die als Wiege des Porzellans gelte und wo vor tausend Jahren die Produktion für den chinesischen Kaiserhof begann.

Porzellan macht den Sound

Die KPM ist über ein Produkt mit einem anderen Berliner Hersteller verbandelt, Burmester Audiosysteme. In der Nähe des Bahnhofs Südkreuz bauen gut hundert Mitarbeiter „High End“-Musikanlagen für Haus und Autos – Porsche, Maybach, Mercedes, Bugatti. In einigen Lautsprechern sind Bass-Reflex-Rohre aus Porzellan von KPM verbaut. Seit 1977 ist das Schöneberger Unternehmen am Markt, dessen Gründer Dieter Burmester, der sich auch als Musiker einen Namen gemacht hatte, 2015 mit 69 Jahren verstorben war.

Handarbeit an einem Regler für ein Burmester-Gerät. 
Foto: Burmester Audiosysteme  GnbH

Seine Witwe Marianne machte aber weiter, holte sich den Marketingleiter von Porsche Deutschland, Andreas Henke, als Geschäftsführer. 20 Millionen Euro Jahresumsatz – 13 Millionen mehr als 2010   - macht das Unternehmen mit seinen Produkten, die zu drei Vierteln exportiert werden. Mit einer kompletten Stereoanlage ist man mit mindestens 30.000 Euro dabei, es kann aber auch eine halbe Million sein.

Luxus aus Frust

Wer sich das leisten kann, will unter Umständen sein Interieur anpassen. Auch hier stehen Berliner Produzenten bereit. Ulrich Welter zum Beispiel mit seiner „Manufaktur für Wandunikate“, der als Filmausstatter keine Lust mehr hatte, alles, was er machte, wieder abbauen zu müssen – obwohl die Mieter der als Drehort ausgesuchten Wohnungen seine Kreationen behalten wollten. 1985 begann er in einem alten Fabrikgebäude in Schöneberg, Tapeten und Paneele zu fertigen, inzwischen mit zehn Mitarbeitern.

Ulrich Welter wollte Bleibendes schaffen.
Foto: Bernd Friedel

Seine Tapeten-Vliese (der Quadratmeter beginnt bei 80 Euro) sind mit Glaskugeln oder Blattgold belegt, zeigen Ornamente oder Metallstrukturen. Welter, der Luxus nicht als Selbstzweck sieht, sondern als Ausdruck hoher Qualität, teurer Materialien und aufwändiger Herstellung – bis zu 30 Stunden dauert es, einen Quadratmeter zu produzieren: „Deutschland ist unser wichtigster Markt. Hier gibt es Ästhetik und Kultur, die Menschen achten auf Qualität.“ Nicht wie viele Asiaten, die sich auf Marken kaprizierten.

Susann Hoffmann bei der Arbeit an einem Wandunikat. Tapete hört sich dafür banal an.
Foto: Bernd Friedel

Berlin lässt leuchten

Anders strukturiert ist die Kundschaft von Christian Seltmann und seinem Bruder Philipp. Ihre Leuchten werden zu über 70 Prozent exportiert, hängen in Villen, Luxus-Yachten, Nobelhotels oder Konzernsitzen. Seit 2013 produzieren sie in ihrer „LCB Manufactur“ in einer Charlottenburger Remise, inzwischen unter beengten Verhältnissen, mit einem immer schneller steigenden Umsatz und auf dem Sprung in größere Räume nach Spandau. Ein halbes Dutzend Menschen, die Brüder inbegriffen, die aus einer oberpfälzischen Porzellanmacher-Familie stammen, arbeiten in der Manufaktur, 15 sollen es werden.

Christian Seltmann mit glühendem Glas, Vorstufe der Leuchten. 
Foto: LCB Manufactur

Ihr patentiertes Produkt: Leuchten aus Glas, das Gasbläschen umschließt und aus sich selbst heraus warm und blendfrei LED-Licht im Raum verteilt. Christian Seltmann, der ein Jahrzehnt lang auf Mallorca lebte und sein Produkt dort entwickelte, kam nach Berlin, wo er in seiner Zeit als Unternehmensberater ein Netzwerk aufgebaut hatte: „Wir produzieren in Deutschland, weil es hier ein gutes Lieferantenwesen und Spezialisten gibt, die man anderswo nicht findet.“ Eigentlich, so findet er, ist das Produkt (Markenname: Massifcentral, denn die Brüder sind Deutsch-Franzosen) kein Luxus, auch wenn ein einzelnes Glaselement netto 560 Euro kostet und die Technik und Aufhängung noch dazu kommen. Luxus, so sagt er, ist stilvolles Leben. 

Eine Leuchte aus Glas und Gas.
Foto: LCB  Manufactur