Berlin - So viele Schüler begehrten an diesem Dienstagmittag Einlass in die Bildungsverwaltung, dass erst einmal die Polizei kam. Am Ende durfte eine Handvoll Berufsschüler drinnen im Gebäude einem Mitarbeiter der Pressestelle zahlreiche Protestpostenkarten gegen das mögliche Aus für die Marcel-Breuer-Schule in Weißensee überreichen.

Kurz zuvor war der Schulleiter dieses Oberstufenzentrums (OSZ) für Holztechnik und Design einbestellt worden. Ihm wurde nach Informationen der Berliner Zeitung offenbart, dass er in die Lehrerfortbildung wechseln soll.

Zwei benachbarte Berufsschulen gegeneinander aufgebracht

Damit hat es die Bildungsverwaltung innerhalb weniger Monate geschafft, mit völlig widersprüchlichen Plänen die Lehrerkollegien und die Schüler zweier unmittelbar benachbarter Berufsschulen in Weißensee gegeneinander aufzubringen.

Denn Anfang Juni hatte der zuständige Referatsleiter der Bildungsverwaltung kundgetan, dass das traditionsreiche Oberstufenzentrum Bautechnik II „Martin Wagner“ wichtige bauberufliche Bildungsgänge an Berufsschulen in Neukölln und Spandau abgeben soll.

Selbst eine Todesdrohung gab es

Das Kollegium der Martin-Wagner-Schule sprach von „Zerschlagung“ und protestierte öffentlich. In die frei werdenden Räume im recht neuen Bau sollte der „Campus Gestaltung“ entstehen, eine gymnasiale Oberstufe. Hier gibt es bereits eine recht gut laufenden Kooperation des OSZ Marcel Breuer mit der Heinz-Brandt- und der Reinhold-Burger-Sekundarschule in Pankow.

Die Burger-Schule hatte darauf erstmals seit vielen Jahren in diesem Jahr wieder mehr Bewerber als Plätze. Doch wegen der Übernahme-Pläne gab es mächtig Ärger, Schüler beschimpften einander, es gab eine Todesdrohung gegen den Leiter der Marcel-Breuer-Schule.

„Die Bildungsverwaltung hat hier für Chaos gesorgt“

Alarmiert zog die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) deshalb die ursprünglichen Pläne überraschend zurück. Nun sollten sich beide Schulen über eine Fusion verständigen. „Auf Augenhöhe“, wie es hieß. Doch bei der ersten Sitzung der gemeinsamen Arbeitsgruppe stritt man nur rum und konnte sich auf keine Tagesordnung einigen.

Die Marcel-Breuer-Schule fürchtet um die gemeinsame Oberstufe. „Die Bildungsverwaltung hat hier für Chaos gesorgt“, sagt Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger. „Erst ist sie in die eine Richtung gelaufen, dann in die andere.“