Für Marco Müller schließt Berlin mit der Drei-Sterne-Wertung zu Städten wie Hamburg und München auf, die schon längst Restaurants der Spitzenklasse haben . 
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BerlinDer Anruf ereilt Marco Müller am Dienstagmorgen, als er mit seinen Kindern am Frühstückstisch sitzt. Und, das gibt der 49-Jährige unumwunden zu, ihm sei vor Schreck das Essen aus dem Mund gefallen. Am Telefon ist der Chef des Guide Michelin, des wichtigsten Gastronomieführers der Welt. Er hat sensationelle Nachrichten – für Müller, das Restaurant Rutz und für Berlin.

Marco Müller wird von den Testern des Gourmetführers mit der höchsten Bewertung ausgezeichnet. Mit dem Rutz hat die Hauptstadt nun also zum ersten Mal überhaupt ein Drei-Sterne-Restaurant. Lange war das herbeigesehnt worden – ein Lokal der Spitzenklasse, wie es sie in Hamburg oder München längst gibt.

Gerichte voller Finesse und geschmacklicher Balance

„Die Küche von Marco Müller und seinem Team hat in nur kurzer Zeit eine sagenhafte Entwicklung vollzogen. Die Gerichte sind voller Finesse, Ausdruck und toller geschmacklicher Balance. Auch in ihrem ausgeprägten Bezug zur Natur heben sie sich deutlich ab“, heißt es in der Bewertung der Tester für das Rutz.

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Einige Stunden nach dem Anruf ist Müller, der gebürtige Babelsberger, immer noch perplex. Er habe die Wahrscheinlichkeit, drei Sterne zu erhalten, als gering eingeschätzt. Immerhin gehören nur zehn Häuser in ganz Deutschland in diese Spitzengruppe. „Die Auszeichnung ist ein Riesenkompliment, und sie gibt uns die Gelegenheit, eine Tür zu öffnen für Berlin“, sagt Müller. Druck empfinde er nicht, er wolle seinen Weg einfach weitergehen.

Müller: „Gelegenheit, eine Tür zu öffnen für Berlin“

Einen Weg, der mit der Kochausbildung in Potsdam begann und ihn Anfang der 90er-Jahre zunächst ins Schlosshotel im Grunewald führte, später ins Grand Hotel Esplanade, wo er im Jahr 2000 vom Magazin Feinschmecker zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt wurde – und schließlich in die Weinbar Rutz, wie das Restaurant in der Chausseestraße in Mitte 2004 noch hieß, als Müller die Nachfolge von Küchenchef Ralf Zacherl antrat. 2007 gab es den ersten Stern, 2016 dann den zweiten.

Marco Müller ist kein Koch, den man ständig in Fernsehsendungen sieht. Und auch, wenn er sich ehrlich über die drei Sterne freuen kann, so sind Auszeichnungen für ihn zwar „eine gute Motivation“, aber keineswegs der Antrieb für seine Arbeit. Der 49-Jährige liebt es, neue Gerichte zu kreieren, und zwar seit Beginn seiner Laufbahn am liebsten mit regionalen Produkten und klaren Linien. Effekthascherei ist nicht sein Ding. Quellforelle und Schwarzwurzel wurden für sein Menü nicht um die halbe Welt gekarrt, sondern kommen aus Brandenburg. So wie der Küchenchef.