Margarita Broich: „Berlin? Sofort die Koffer packen und hin!“

Bekannte Bewohner der Stadt blicken auf Berlin. Heute: Schauspielerin Margarita Broich, die von endlosen Baustellen genervt ist und Wilmersdorf liebt.

Lebt in Prenzlauer Berg, ist aber auch gern in Wilmersdorf unterwegs: Margarita Broich.
Lebt in Prenzlauer Berg, ist aber auch gern in Wilmersdorf unterwegs: Margarita Broich.Jeanne Degraa

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Tipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat Margarita Broich unsere Fragen beantwortet, die einst zum Schauspielstudium in die Stadt kam und ihr seither fest verbunden ist. Immer wieder stand und steht die 62-Jährige hier auf Theaterbühnen, sie arbeitete am Deutschen Theater, dem Berliner Ensemble und der Volksbühne, mit Regisseuren wie George Tabori, Robert Wilson und Christoph Schlingensief. Nur in ihrer bekanntesten TV-Rolle, da geht sie der Hauptstadt regelmäßig fremd. Als Hauptkommissarin Anna Janneke ermittelt Margarita Broich, die mit ihrem Mann in Prenzlauer Berg wohnt, seit 2015 in der Mainmetropole Frankfurt. Am 16. Oktober läuft der nächste „Tatort“ mit ihr um 20.15 Uhr in der ARD. Der Titel der Folge: „Leben Tod Ekstase“.

1.           Frau Broich, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

1981 zog ich nach Berlin und lebte in einer Wohngemeinschaft in Wilmersdorf. Diese Wohnung war gleichzeitig ein Verlag. Der wunderbare Merve Verlag. Tagsüber besuchte ich die Schauspielschule und nachts wurde gefeiert. Wild und anstrengend zugleich! Berlin war in dieser Zeit 24 Stunden wach. Man konnte um 16 Uhr nachmittags frühstücken.

2.           Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Der Spielplatz auf dem Ludwigkirchplatz. Dort habe ich viel Zeit mit meinen Kindern verbracht und darf jetzt wieder mit meinem Enkel im Sand buddeln. Aber ich spaziere auch gerne über den Dorotheenstädtischen Friedhof. Es ist still und man denkt an Heiner Müller, Otto Sander oder Johannes Grützke.

3.           Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Ins Wilmersdorfer Freibad. Es ist in den Fünfzigern gebaut worden und alles ist in Pastellfarben. Ich liebe es, dort meine Bahnen zu ziehen und dabei meine Texte durchzugehen. Als Belohnung gibt es Eis oder Pommes.

4.           Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Das KaDeWe am 24. Dezember!

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HR/Degeto
Zur Person
Margarita Broich, geboren 1960 in Neuwied am Rhein, wuchs in einer Arztfamilie im Westerwald auf. Nach dem Abitur studierte sie Fotodesign an der Fachhochschule Dortmund und arbeitete als Theaterfotografin bei Claus Peymann in Bochum. Auch später hat die 62-Jährige immer weiter fotografiert. Arbeiten von ihr wurden im Martin-Gropius-Bau in Berlin ausgestellt. 2016 veröffentlichte sie den Fotoband „Alles Theater“.

Ihre Schauspielausbildung absolvierte Broich an der Hochschule der Künste Berlin. Im Anschluss spielte sie viele Jahre an Theatern, seit Anfang der 1990-Jahre übernahm sie auch Kino- und Fernsehrollen. 2015 trat sie die Nachfolge von Nina Kunzendorf als „Tatort“-Kommissarin für den Hessischen Rundfunk an (Foto).

Demnächst ist sie auch wieder in der ARD-Filmreihe „Meine Mutter…“  zu sehen: in den Folgen „Meine Mutter gibt es doppelt“ (28.10.) und „Meine Mutter raubt die Braut“ (4.11.).

5.           Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Dort, wo ich gerade sitze und diesen Fragebogen ausfülle: Herr Rossi in der Winsstraße 11. Das Essen ist hervorragend und man ist/isst immer in angenehmer Gesellschaft.

6.           Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Das wunderbare Glas- und Porzellangeschäft von Jeanne Koepp in der Kollwitzstraße 53. Ich habe alle meine Freunde mit ihren Schalen, Tellern und Bonbonieren versorgt.

7.           Der beste Stadtteil Berlins ist …

... für mich Mitte wegen der Theater, Prenzlauer Berg wegen der Freunde und Wilmersdorf wegen der Erinnerungen.

8.           Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Die endlosen Baustellen, auf denen nichts passiert.

9.           Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Das Wetter zwischen November und Februar.

10.         Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Sofort die Koffer packen und hin!

11.         Cooler als Berlin ist nur noch …

Vielleicht New York? Vielleicht Tiflis? Ach was, ich glaube wir bleiben bei Berlin!!!