Mariannenplatz in Kreuzberg: Die Geschichte hinter dem Namen

Mitunter stößt man in Berlins Straßengewirr auf Namen, deren Herkunft kaum noch jemand kennt. So auch in der jetzigen Diskussion, die sich darum dreht, einen Teil des Mariannenplatzes oder des Heinrichplatzes in Kreuzberg in Rio-Reiser-Platz umzubenennen. Marianne und Heinrich gehörten einst als Prinzessin und Prinz zum preußischen Königshaus. Eigentlich passt das durchaus zu Rio Reiser, der ja sogar „König von Deutschland“ werden wollte, zumindest im Song. Hinter den Namen steckt auch eine interessante Berliner Geschichte.

Nehmen wir nur Marianne, geboren 1785 als Landgräfin von Hessen-Homburg. Sie kam 1804 nach Berlin – verheiratet mit ihrem Cousin Wilhelm, den sie nicht liebte. Er war ein Bruder des Königs Friedrich Wilhelm III. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon floh auch Marianne mit Familie nach Ostpreußen. Dort verlor sie zwei Kinder.

Affäre mit dem Grafen

Bedeutung erlangte sie nach dem Tod Königin Luises 1810 als „erste Dame“ des Landes. 1813 gründete sie im Kampf gegen Napoleon den „Vaterländischen Frauenverein“. Sie machte den Berlinern Mut, als sie wochenlang allein im Schloss die Monarchie repräsentierte.

Wie ihr Tagebuch von 1822 zeigt, hatte sie eine Affäre mit Graf Anton zu Stolberg-Wernigerode, der als Freund ihres Mannes längere Zeit im Berliner Schloss wohnte. Sie liebten einander innig. Rührend war ihre Methode, den Ehebruch dennoch zu vermeiden: Immer, wenn einer von ihnen die Beherrschung zu verlieren drohte, fiel der andere auf die Knie – und gemeinsam dankten sie Gott „für die Bewahrung vor der ärgsten Sünde“.

Dass Prinzessin Marianne auch die Oma des späteren Bayern-Königs Ludwig II. war, sei nur am Rande erwähnt.