Berlin - Dabei ging in Marienfelde die Polizei teilweise recht rabiat gegen die Bürger vor. Es gab drei Festnahmen von Gegendemonstranten, denen unter anderem Gefangenenbefreiung und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen wurde. An der Gegendemonstration beteiligten sich etwa 200 Menschen aller Altersgruppen.

Bereits in den vergangenen zwei Tagen waren zahlreiche Unterschriften gegen die Neonazi-Demonstration gesammelt worden. Ursprünglich hatten die Rechtsextremisten eine unangemeldete Demo gegen Ausländer geplant, zu der sie konspirativ mobilisierten. Ebenfalls am Freitagabend zogen ohne nennenswerte Vorkommnisse 400 Angehörige linker Gruppe unter dem Motto „Zeit zu handeln“ vom U-Bahnhof Lipschitzallee zum U-Bahnhof Rudow durch Neukölln, um gegen Neonazis zu protestieren. Dort soll es laut dem Bündnis „Neukölln gegen Nazis“ vermehrt Übergriffe rechter Gewalttäter auf Ausländer gegeben haben.

Mit Opfern rechter Gewalt solidarisieren

Vor dem Neonazi-Aufmarsch protestierten Bürger aus Tempelhof-Schöneberg vor dem ehemaligen Notaufnahmelager in der Marienfelder Allee gegen die NPD. Die Polizei zählte 80 Teilnehmer. Zu dem spontanen Protest hatten die Berliner Grünen aufgerufen. Der NPD müsse wegen ihrer menschenverachtenden Ideologie entschieden entgegengetreten werden, sagte Grünen-Abgeordnete Clara Herrmann. Zugleich wollten sich die Demonstranten mit den Opfern rechter Gewalt solidarisieren.
Herrmann warnte zugleich vor allzu großen Erwartungen an ein NPD-Verbot. Rechte Ideologie lasse sich nicht verbieten, betonte die Politikerin. Ein Verbotsverfahren sollte nur eingeleitet werden, wenn es „wasserdicht ist und Aussicht auf Erfolg hat“.
Bereits am Nachmittag hatte die Linkspartei in Berlin zu zwei Demonstrationen aufgerufen. (mit dpa)