Berlin - Eine leere Wohnung. Überall klebt Blut. Hier ist offenbar ein Mord geschehen. Doch wo ist die Leiche? Es ist eine gute Frage und gleichzeitig der erste Tag von Hauptkommissar Robert Karow an seinem ersten Tag in der Berliner Mordkommission. Erster Tag. Erster Mord. Erster Fall. So beginnt „Das Muli“, der neue „Tatort“ des rbb, der dieser Tage gedreht wird. Er ist auch die Premiere für das neue Ermittlerteam aus Berlin.

Mark Waschke (er spielt Kommissarsneuling Karow) und Meret Becker (sie spielt dessen Kollegen Nina Rubin, eine Mutter, die sich durch die Zumutungen der Großstadt kämpft) haben Boris Aljinovic und Dominic Raacke abgelöst, die zuvor Berlin im „Tatort“-Reigen vertreten haben. „Das Muli“ wird bis 1. Dezember auf der BER-Baustelle, im Plänterwald, in Heiligensee, Mitte, Kreuzberg und Wilmersdorf gedreht. Gerade sind Szenen in der Bahnhofsmission am Zoo entstanden. Geplanter Sendetermin ist der 22. März 2015, wie immer Sonntag, wie immer 20.15 Uhr in der ARD.

Der Dreh in der Bahnhofsmission ist zentral für „Das Muli“, schließlich begeben sich die Ermittler ins Milieu obdachloser Jugendlicher. Zu erwarten ist ein praller Film aus dem Leben einer prallen Stadt – und ein möglichst großer Wurf. Wie es sich für den Auftakt gehört.

Am Dienstagnachmittag beim Pressetermin erlebten Becker und Waschke, wie sehr die neuen Kommissare im Fokus stehen: Dutzende Fotografen drängten sich vor dem Zoo Palast für das beste Bild. Abschließend gaben sie Interviews gegenüber in der Lobby des Hotels Waldorf Astoria.

Profis im Geschäft

Professionell absolvierten beide diese Pflichtaufgaben – kein Wunder, beide sind bereits seit Jahrzehnten im Geschäft. Die 45-jährige Meret Becker (Schwester von Ben Becker, Tochter von Monika Hansen, Stieftochter des vor einem Jahr verstorbenen Otto Sander) ist ein Urgestein auf den Bühnen und auf der Leinwand. Ob sie spielt – wie in etlichen Filmen – oder singt – wie auf ihrer kürzlich erschienenen CD „Deins & Done“ –, Meret Becker gibt oft eine etwas spleenige, aschenputtlige Erscheinung mit Hang zum fast schon grotesken Auftritt. Dabei wirkt sie gerne hintergründig und ist meistens lustig. Im Gespräch in der Hotellobby rutscht sie auf dem zu großen Sessel herum. Füße hoch, Füße runter, Drehung links rum, Drehung rechts rum: „Boah, ich kann hier einfach nicht sitzen.“

Ganz anders, weil viel ernsthafter, der 42-jährige Waschke. Er hat lange Theater gespielt, gehörte von 1999 bis 2008 (und seit einer Saison wieder) dem Ensemble der Schaubühne am Lehniner Platz an. Seinen Durchbruch erlebte er 2008 mit seiner Hauptrolle in die „Buddenbrooks“. Im Gespräch wirkt Waschke konzentriert und überzeugend. Diese Kommissars-Combo birgt Spannungspotenzial.

Mindestens eines hat Meret Becker für ihre „erste Polente-Rolle“, wie sie es nennt, ihrem Kollegen Waschke voraus: „Ich schieße für mein Leben gern. Dieses Fotoschießen früher auf dem Rummel war ein großes Hobby von mir.“ Und an einem lassen beide keinerlei Zweifel: Sie spielen jetzt für Berlin.