Berlin - An dieser Stelle berichten regelmäßig Berliner über ihren Berufsalltag. Heute: Markus Müller-Tenckhoff. Der 48-Jährige ist seit mehr als 25 Jahren Gästeführer und hat bereits Tausenden Berlin-Touristen seine Heimatstadt gezeigt. Er ist außerdem 1. Vorsitzender des Verbandes der Berliner Stadtführer Berlin Guide e.V.

Was für eine Metropole!

Markus Müller-Tenckhoff ist jeden Tag aufs Neue verliebt in sein Berlin. Einen Lieblingsplatz gibt es für ihn nicht, viele schöne Orte fallen ihm sofort auf die Frage ein. Als er 1991 nach einem mehrjährigen Aufenthalt in London in seine Heimatstadt zurückkam und als Gästeführer anfing, waren die Wunden der Teilung überall deutlich zu sehen. „26 Jahre später staune ich mit den Touristen zusammen, was für eine Metropole aus der einst geteilten Stadt geworden ist“, sagt der gebürtige West-Berliner.

Jetzt beginnt die Hochsaison

Die Hochsaison für Berlins Gästeführer geht von Mitte April bis Ende Oktober, vielleicht kommt noch ein kleines Weihnachtshoch hinzu. Markus Müller-Tenckhoff führt seine Gäste durch das 800-jährige Berlin mit den Schwerpunkten, die sie ausgewählt haben: Das kann Architektur sein, oder Juden in Berlin, immer wieder Nationalsozialismus, Kalter Krieg, Nachtleben, aber auch Kieze, Kulinarisches, Schlösser & Gärten und die vielen privaten und staatlichen Museen.

Paare, Familien oder kleine Gruppen

Die Führungen dauern mindestens zwei Stunden – und das Publikum kommt auf allerlei Wegen zu ihm. „Ich begleite Kreuzfahrer, die von den Ostseehäfen einen Tagestrip nach Berlin machen, Ausflüge nach Potsdam und in das Umland, und immer wieder buchen mich Paare, Familien oder kleine Gruppen, die für das Besondere in Berlin auch ihren eigenen Guide haben möchten, der auf ihre speziellen Wünsche eingeht“, erzählt Markus Müller-Tenckhoff.

Die Kunst des Führens

Die ehemalige Mauer sei nach wie vor das Highlight, das Interesse daran ungebrochen. Manch ein Tourist von weit her könne das oft schwer nachvollziehen, und dann müsse er in die Geschichte ausholen. Aber die Kunst des Führens bestehe auch darin, auf die Fragen der Gäste gut eingehen zu können. „Sie wollen keine Zahlen um die Ohren bekommen, sondern unterhaltsam informiert werden. Bevor ich mit ihnen auf Tour gehe, muss ich herausfinden: Was suchen sie jetzt mit mir hier? Was wollen wir finden?“

„Gästeführer sind Freiberufler"

Am schönsten für ihn sei es immer dann, wenn er sich mit seinen Gästen in ein bestimmtes Zeitalter zurückversetze und er für sie vorstellbar mache, wie es damals gewesen sein könnte. Seine Aufträge bekommt Müller Tenckhoff von Reise- und Veranstaltungsagenturen. „Gästeführer sind Freiberufler und auf möglichst viele Angebote in den Saisonmonaten angewiesen. Nur ganz wenige Gästeführer können allein von diesem Job leben.“ Der Markt sei mittlerweile kaum mehr überschaubar. Da die Berufsbezeichnung nicht geschützt sei, könne sich praktisch jeder ungeprüft vor Touristengruppen stellen und sein mehr oder minder vorhandenes Wissen“ verkaufen. 

Ausbildungsprogramm: Gästeführer

Markus Müller-Tenckhoff trägt wie etwa 150 Berliner Kollegen an seiner Kleidung sichtbar einen türkisfarbenen Guide-Button mit der Aufschrift Zertifikat DIN EN. Wer solch einen Button trägt, hat erfolgreich eine Qualifizierung zum Gästeführer nach europäischer Norm absolviert. „Das Ausbildungsprogramm umfasst mindestens 600 Unterrichtsstunden. Es werden Sach- und Fachwissen, Kommunikationstechniken, Sprache sowie Themen wie Konfliktmanagement, Recht und Steuern, nachhaltiger Tourismus vermittelt“, erläutert Markus Müller-Tenckhoff.

"Botschafter der Region"

Er selbst wirbt als Vorsitzender des Berufsverbandes der Berliner Gästeführer dafür, dass noch mehr Kollegen dieses Zertifikat erlangen. Und er setzt sich für mehr öffentliche Wertschätzung seines Berufsstandes ein. „Gästeführer sind Botschafter der Region. Und wenn sie ihre Sache gut gemacht haben, ist für die Touristen Berlin mehr als eine Reise wert“, sagt er.