Marode Schulen in Berlin: Bezirke fahnden nach einstürzenden Schulbauten

Dass es einmal so kommen würde, hatten selbst Pessimisten nicht vorausgesagt: Derzeit überprüfen Mitarbeiter der bezirklichen Hochbauämter, ob mehr als hundert Schulgebäude einsturzgefährdet sein könnten. Anlass war die Sperrung von drei mobilen Unterrichtsräumen, die die längst in die Insolvenz gegangene Firma Kesting in Steglitz-Zehlendorf errichtet hatte. Jahrelang war offenbar keinem Verantwortlichen im Bezirk aufgefallen, dass die Baugenehmigung längst ausgelaufen war.

Nun sollen alle Bezirke ihre Ergänzungsbauten überprüfen. Allein in Neukölln werden seit Mittwoch nun 32 solcher Bauten untersucht. Bisher habe man bei neun Gebäuden nachgeschaut und nichts entdeckt, sagte Kristian Schiemann, Leiter des dortigen Facility-Managements. Auch in den anderen Bezirken dauern die Prüfungen an, für eine von Kesting errichtete Halle in Moabit gab es inzwischen Entwarnung.

Verstetigung der Mittel

Am Mittwochnachmittag stellte sich Cerstin Richter-Kotowski, die Bildungsstadträtin von Steglitz-Zehlendorf, bei einer Veranstaltung aufgebrachten Eltern, Schülern und Lehrern. Sie legte dar, dass die drei gesperrten Gebäude an der Mühlenau-, Kronach- und Sachsenwald-Grundschule zunächst notsaniert würden. Sie erhalten mehr Stahlträger unter der Decke, um das Gebäude zu stabilisieren.

Birgitt Unteutsch, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses, forderte eine Erhöhung und Verstetigung der Mittel für die Schulsanierung. Kurzfristige Sonderprogramme, wie jetzt das Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (Siwa), seien stattdessen eher kontraproduktiv. „Das stopft nur kurzfristig Löcher“, sagte Unteutsch. „Wenn die politischen Mehrheiten wechseln, kann sich alles schnell wieder ändern.“

Die Vergabe der Siwa-Mittel war am Mittwoch Thema im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. In Zehlendorf verwies Schülersprecher Juri Strauß darauf, dass auch das Hauptportal des Lilienthal-Gymnasiums in Lichterfelde gesperrt worden sei, weil Teile des Altbaus herabzustürzen drohten.

Neue Initiative gegründet

Birgitt Unteutsch regte an, den Prozentanteil, der jährlich für die bauliche Unterhaltung bereitgestellt wird, zu erhöhen. In Hamburg würden Schulen von einem Landesbetrieb nach einheitlichen Kriterien saniert, in Berlin sei das in erster Linie Sache der Bezirke. Hier sei mehr Transparenz nötig.

Eine Demonstration gab es am Mittwochnachmittag auch an der Kreuzberger Hunsrück-Grundschule. Hier sind Eltern und Lehrer aufgebracht, weil die angesehene Ganztagsgrundschule wegen steigender Schülerzahlen weitere Kinder aufnehmen soll. Das würde das wegweisende pädagogische Konzept kaputtmachen.

Da sich an der Hunsrück-Schule Unterricht und Freizeitangebote abwechseln, hat jede Klasse zwei verschiedene Räume, die in der Regel nebeneinander liegen. Nach den schulbürokratischen Vorgaben hat die Schule deshalb zu viele Räume. Das wollen die Eltern nicht hinnehmen. Sie haben nun die Initiative „Kinder brauchen Platz“ für ganz Berlin gegründet. „Wir wollen nicht, dass unsere Kinder aus Spargründen zusammengepfercht werden“, hieß es.