Sieben Busse fuhren am Montagmorgen in Kaulsdorf vor, um die Grundschulkinder aus der seit Mittwoch gesperrten Franz-Carl-Achard-Grundschule in das zehn Kilometer entfernte Ersatzgebäude nach Marzahn-Nord zu bringen. Erschwert wurde der Transport der gut 300 Schüler dadurch, dass einige Eltern ihre Pkw so ungünstig geparkt hatten, dass sie den Bussen zunächst den Weg versperrten. Aber dann klappte es. Dieser Bus-Shuttle soll nun bis auf weiteres jeden Schultag verkehren.

Der gut hundert Jahre alte Bau der Kaulsdorfer Achard-Grundschule war am vergangenen Mittwoch für Lehrer, Schüler und Eltern völlig überraschend gesperrt worden. Da das Mauerwerk von Hausschwamm befallen ist, war die Statik von zwei Fluren, die als Fluchtweg dienen sollten, nicht mehr gewährleistet. Eine derart kurzfristige Sperrung einer maroden Schule ist selbst für Berliner Verhältnisse bisher einzigartig.

Nun prüft der Bezirk Marzahn-Hellersdorf, den Altbau der Achard-Schule womöglich sogar abzureißen und an der Stelle einen Neubau aus vorgefertigten modularen Ergänzungsbauten zu errichten. „Ja, wir führen eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durch“, bestätigte Bezirkssprecher Frank Petersen. Eine Alternative wäre die Sanierung des Baus, wobei die Schüler dann über längerer Zeit in Containerbauten unterkommen müssten. Nun werde geschaut, was wie viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Und natürlich, was wie viel kostet. Neben Hausschwamm bietet das Dach des Schulbaus auch noch giftige Holzschutzmittel aus DDR-Zeiten.

Bereits am Wochenende hatten Eltern den Umzug der Schule aus dem Kaulsdorfer Hausschwamm-Bau nach Marzahn-Nord zum Teil aus eigener Tasche bezahlt. Nachdem der Bezirk lediglich drei Sprinter bereitgestellt hatte, mieteten Eltern noch einen 7,5-Tonner. Lehrer, Eltern und Helfer brachten die fehlenden Tische und Stühle, aber auch zahlreiche Schränke, Bücher und Fächerinhalte in das frisch sanierte Gebäude in der Flämingstraße.

Das sollte zwar gerade von den Schülern der dortigen Marcana-Gemeinschaftsschule bezogen werden. Doch diese müssen jetzt wohl mindestens noch ein Jahr in ihrem unsanierten Gebäude nebenan ausharren. Geholfen beim Umzug habe insbesondere noch die Freiwillige Feuerwehr von Kaulsdorf und Mahlsdorf mit einem Wagen, berichtet Hannelore Kleemann, Konrektorin der Achard-Schule und bedankte sich nochmals auch bei den Eltern.

Am Montag haben sich die Kollegien beider Schulen am Standort Flämingstraße schon mal kennengelernt. Was in den neuen Klassenräumen der Grundschüler leider noch fehlt, sind Tafeln. Außerdem müssen noch viele Dinge umgeräumt werden. Deshalb erhalten die Lehrer der Achard-Schule kurzfristig personelle Unterstützung von zwei benachbarten Grundschulen.

Kurze Wege für Erstklässler

Ab dem späten Mittag bringen die Busse die Schüler wieder zurück nach Kaulsdorf, zeitlich gestaffelt. Dort können Schüler noch den Hort besuchen. Denn das separate Hortgebäude ist nicht von Schwamm befallen, zumindest die Erstklässler gegen dort auch noch zur Schule. Busfahren ist man hier schon gewohnt: Schon vor Jahren war die Turnhalle der Achard-Schule wegen Schwammbefalls gesperrt worden. Seither werden die Schüler mit Bussen in andere Turn- und Schwimmhallen gebracht.