Berlin - Die Pächter der Kleingartenanlage „Sorgenfrei“ sind derzeit alles andere als unbesorgt: Offenbar ohne ihr Wissen wurde ihre Marzahner Kolonie am Klüsserather Weg vom Eigentümer Deutsche Bahn zum Verkauf angeboten. Auch die benachbarten Anlagen „Steintal“ und „Aufbau“ sind betroffen. Insgesamt 60 Kleingärtner fürchten nun um ihre Parzellen.

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Nur durch Zufall entdeckte eine von ihnen die Verkaufsabsichten im Internet. „Mich traf der Schock, als ich auf der Seite von Immobilienscout24 die Anzeige der Bahn fand“, sagt Denise Wagner, die seit drei Jahren eine Datsche in der Kolonie „Sorgenfrei“ besitzt. In dem Inserat bietet die Bahn-Tochter DB Immobilien das etwa 39.000 Quadratmeter große Kleingarten-Areal „in direkter Lage zur Bahnstrecke 6072 am Biesdorfer Kreuz“ unter der Objekt-Nummer IPE 1006911 AB zum Verkauf an. Interessenten können noch bis zum 30. April ihr Angebot abgeben. Die Höhe des Kaufpreises soll auf Anfrage erfolgen.

Bestandsschutz bis 2020

Die Kleingärtner sind erbost. „Als wir vor drei Jahren unser Grundstück bei der Bahn-Landwirtschaft pachteten, hieß es, wir hätten bis 2020 oder 2025 Bestandsschutz“, sagt Mathias Sellnow aus der Siedlung „Sorgenfrei“. Und seine Frau Christin, die im Vorstand der Kolonie Schatzmeisterin ist, ergänzt: „Die Bahn hat niemanden von uns vorab informiert. So wie es scheint, werden wir unsere Parzellen nur noch ein Jahr haben, dann ist Schluss.“ Das sieht auch der Vorsitzende des Bezirksverbandes der Kleingärtner Marzahn, Gert Schoppa, so.

„Man darf davon ausgehen, dass der künftige Grundstücksbesitzer die Parzellen nicht behalten wird. Denn damit macht er keinen Gewinn“, sagt er. „So wie es aussieht, werden wohl neue Wohnungen auf dem Areal entstehen, das vom Bezirk schon seit 1994 als Bauland vorgesehen ist.“

„Es ist ungeheuerlich, wie die Bahn mit ihren Vertragspartnern umgeht..."

Auf Anfrage der Berliner Zeitung erklärt die Bahn über einen Sprecher, man hätte Kleingärtner und Bezirk über die Pläne informiert. Schoppa streitet das ab: „Das trifft nicht zu“, sagt er. „Es ist ungeheuerlich, wie die Bahn mit ihren Vertragspartnern umgeht und mit ihnen nicht über künftige Verkaufsabsichten spricht.“

Auch Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin (CDU) berichtet, dass der Bezirk Marzahn-Hellersdorf von der Bahn keine Informationen erhalten habe. Die Kleingärtner wollen nun juristische Schritte prüfen. Schoppa und Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) hoffen, das Problem im Gespräch mit der Bahn zu lösen.