Elisa Andrä beobachtet das stetige Wachsen der Steinkette. 
Foto: Thomas Uhlemann 

Berlin-MarzahnTausende kleine Steine sind zusammen schwer wie ein Fels. Sie sind, hintereinander aufgereiht, ein Bollwerk. Eins gegen Einsamkeit und Langeweile. Und sie sind ein Zeichen dafür, dass man gemeinsam Großes schaffen kann. 

Eine Spur der Steine und der Solidarität zieht sich entlang des Wuhletal-Wanderwegs in Marzahn. Dort am Rande der Stadt, wo Berlin nur noch einen Steinwurf von Brandenburg entfernt ist, entsteht in diesen Tagen eine echte Sehenswürdigkeit.

„Alles begann Anfang April mit einer Handvoll bemalter Steine“, sagt Elisa Andrä. Die 29-Jährige verfolgt seitdem wie viele andere Spaziergänger und Radfahrer gebannt, wie das Kunstwerk wächst und wächst. An einer Gruppe aus fünf Findlingen nahe einer Brücke am Parkweg findet sich als einziger Hinweis ein handgeschriebener Zettel. „Bitte liegen lassen, die Steine gehören zu einem Spiel.“ Und weiter: „Mal sehen, wie lang die Schlange in der Corona-Zeit wird.“ Ziel: einmal um den Ahrensfelder Berg. Drei Kilometer wären das.

Gemeinsam ein Stück Weg gehen.
Foto: Thomas Uhleman 

Und die Marzahner ziehen mit. Legen Stein um Stein zu einem Ganzen: Glitzersteine, ein Stein mit Schmetterling, ein umhäkelter, ein Regenbogen, immer wieder die Losung der Stunde: Hoffnung – Hope. Wer hier entlang schreitet, geht unwillkürlich langsamer, erkennt hier ist Unioner Land, Oma-Land, Enkel-Land, hier haben Steine Augen, schauen Drachenköpfe aus dem Gras.

„Was für eine wunderbare Aktion“, findet Elisa Andrä. „Ich hoffe, dass noch viele Menschen mitmachen. Dieses Zeichen der Solidarität hat etwas Unbeschwertes, Naturverbundenes. Jetzt wo wir auf Distanz gehen, erinnern wir uns daran, was Zusammenhalt und Nähe bedeuten. Diese Kette zeigt, wie viel Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt in uns stecken.“