Berlin - Die Plakate zeigen Häuser mit Kunstwerken auf den Dächern, das Unfallkrankenhaus Berlin oder die Dorfkirche in Kaulsdorf. Das Logo darauf hat fünf bunte Balken, die wie ein Fächer wirken, und den Schriftzug „Marzahn-Hellersdorf“, Unterzeile: „Berlins beste Aussichten“. Es gibt auch eine englische Version: „Berlin’s brightest visions“. Am Donnerstag wurde eine Imagekampagne für den Bezirk gestartet. Bis 2015 soll damit Standortmarketing betrieben werden. Die Botschaft: Marzahn-Hellersdorf ist toll, grün und innovativ.

Unternehmen machen mit

500.000 Euro Fördermittel von Bund und EU hat Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU) dafür aquiriert, Wohnungs- und andere Unternehmen geben ebenfalls Geld und Know-how dazu. Auch das Unfallkrankenhaus, Deutschlands modernstes Klinikum, ist dabei. Professor Dr. Ullrich Meier, der die Klinik für Neurochirurgie leitet und für das UKB im bezirklichen Wirtschaftskreis sitzt, sagt, es gehe darum, den Standort Marzahn-Hellersdorf in ganz Berlin und darüber hinaus bekannter zu machen.

Denn mit dem Clean Tech Business Park entsteht dort ein großes Gebiet für innovative Industrie, die ortsansässige Gesundheitsbranche ist eine der größten Berlins und mit der Internationalen Gartenschau 2017 in den Gärten der Welt werden rund 2,5 Millionen Touristen erwartet. Das bisher noch teilweise vorherrschende Image „von Kommunisten regiert, von Neonazis bevölkert“ sei schlichtweg falsch, sagt der renommierte Mediziner.

Mit den neuen Werbemaßnahmen sollen nun die Vorzüge von Marzahn-Hellersdorf besser verkauft werden – eine grüne Wohnumgebung und Siedlungen, in denen nicht nur Plattenbauten stehen. Und selbst diese seien sehenswert, sagt Peter Schünemann, der Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Fortuna. Denn mit der energetischen Sanierung sei man hier längst schon weiter als in anderen Teilen der Stadt.

Die Großplakate sollen bald auch in anderen Bezirken für Marzahn -Hellersdorf werben. Und Anfang 2014 soll sogar ein eigener Shop in der City eröffnen, ein Standort wird noch gesucht. „Dort werden wir zeigen, was wir zu bieten haben“, sagt Gräff.

Schlagzeilen gemacht

Ob es gelingt, das Image wirklich zu verbessern, wird allerdings nicht nur von der Kampagne abhängen. Denn gerade jetzt ist der Bezirk deutschlandweit in die Schlagzeilen gekommen. Um ein geplantes Asylbewerberheim an der Carola-Neher-Straße gibt es seit Wochen Streit, bei einer Bürgerversammlung Anfang Juli war es zahlreich erschienenen Neonazis gelungen, die Stimmung zu beeinflussen. Eine anonyme Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf hetzt im Internet gegen das Vorhaben . In der vergangenen Woche war es bei einem Aufzug von Heimgegnern zu vorübergehenden Festnahmen wegen Zeigens des Hitlergrußes und Brüllens rechter Parolen gekommen. Mittlerweile ist eine Gegendemonstration von Heimbefürwortern am 21. August angekündigt.

Wann das Heim bezogen wird, ist noch unklar. Es gab Bauverzögerungen wegen zunächst fehlender Gutachten. Inzwischen ist aber laut Gräff das letzte Gutachten, eine Expertise zum Brandschutz, vorgelegt worden. Dass sich der Streit um das Heim dauerhaft negativ auswirkt, glaubt er nicht: „Das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt, der ein großes Medienecho gefunden hat.“