Berlin - Noch ist es keine Epidemie wie vor zwei Jahren, doch seit einigen Tagen hat sich die Situation verschärft: Mittlerweile sind in Berlin 17 Menschen an den Masern erkrankt, darunter auch ein neun Monate altes Baby. Es war im Klinikum Buch behandelt worden und lag auf einer Station mit abwehrgeschwächten Kindern. Die Eltern hatten von der Masern-Erkrankung keine Kenntnis.

Klinik sucht Kontaktpersonen

Das Baby wurde bereits wieder nach Hause entlassen, doch nun versucht die Klinik alle Personen zu finden, mit denen das Baby in den vergangenen Tagen in Kontakt gekommen war. Fatal: Vermutlich waren auch vom Pflegepersonal nicht alle gegen Masern geimpft. Ob sich weitere Kinder oder Erwachsene angesteckt haben, werde sich erst in den nächsten Tagen zeigen, sagte der Amtsarzt und Gesundheitsamtsleiter des Bezirkes Reinickendorf, Patrick Larscheid am Donnerstag der Berliner Zeitung.

Keine Impfpflicht – auch nicht für Ärzte und Krankenschwestern

Die Familie des Babys wohnt in Reinickendorf, weshalb sich das dortige Gesundheitsamt mit einem Aufruf an die Bevölkerung wandte. „Das ist für uns das Schlimmste, was passieren kann“, sagte Larscheid, „jetzt hat ein Baby die Masern, das noch gar nicht geimpft werden kann.“ Solche Fälle könnten nur verhindert werden, indem sich die Bürger solidarisch verhielten und sich konsequent impfen ließen. Dass vermutlich auch das Pflegepersonal keinen ausreichenden Impfschutz hatte, kritisierte er scharf: „Das macht einen sprachlos.“ Allerdings gibt es in Deutschland keine Impfpflicht.  Seit 2015 dürfen die Kliniken zwar ermitteln,  welche Schwestern, Pfleger und Ärzte geimpft sind und dies im Dienstplan berücksichtigen. Einen Impfschutz durchsetzen dürfen sie nicht. Wie viele Mitarbeiter des Klinikums Buch nicht geimpft sind und ob sich jemand vom Personal angesteckt hat, war am Donnerstag noch unklar.

Lebenslang immun

Impfen lassen sollte sich jeder, der nach 1970 geboren ist. Die Älteren haben die hochansteckende Krankheit höchstwahrscheinlich durchgemacht und sind daher immun.  „99 Prozent der Personen, die mit einem Masernkranken Kontakt haben und nicht immun sind, erkranken auch daran“, sagt Larscheid. Bis in die 90er Jahre hinein gab es nur eine Einmal-Impfung gegen Masern, die keinen hundertprozentigen Wirkschutz erzielte. Heute werden Kinder zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr zweimal geimpft und sind dann lebenslang immun.

Deutschland ist Schlusslicht

Die Krankheit könnte ausgerottet werden, wenn sich  95 Prozent der Bevölkerung impfen ließen. In Deutschland ist das  noch nicht der Fall. Im Januar hat das Robert-Koch-Institut eine Studie vorgestellt, in der zum ersten Mal die absolute Zahl der Kinder hochgerechnet wurde, die nicht oder nicht ausreichend gegen Masern geimpft waren. Im Alter von 24 Monaten waren nach dieser  Auswertung bundesweit 150.000 Kinder des Jahrgangs 2013 nicht vollständig und weitere 28.000 Kinder gar nicht gegen Masern geimpft. Die Problemregionen lägen in den Ballungsräumen, hieß es. Allen voran Berlin: Dort hatten 7300 Kinder im Alter von 24 Monaten keinen ausreichenden Impfschutz. Deutschland sei  in Europa das Schlusslicht bei der Masernelimination, teilte das RKI mit.