BerlinDie älteste aller Verordnungen ist ein Zehn-Punkte-Plan. Präsentiert hat ihn ein gewisser Moses in der Bibel, er könnte aber auch eine Erfindung des Berliner Senats sein. Der ist von Amts wegen sehr geübt darin, Gebote zu erlassen, in der Corona-Krise zumal, die angesichts stetig steigender Infektionszahlen außer Kontrolle zu geraten droht. Nicht immer sind es zehn, und den meisten ist eine unmosaische Konsequenz gemein: Sie haben kaum Konsequenzen.

Anders als in der Bibel gibt es niemanden, der seine Augen überall hat. Das ist das Problem einer Millionenmetropole, deren Bewohnern regelmäßig etwas verordnet wird, das sich gut anhört, aber schlecht kontrollieren lässt. Die Maskenpflicht an ausgesuchten Hotspots zum Beispiel. Der Masse an potenziellen Maskierungsmuffeln steht ein vergleichsweise kleines Häuflein von Ordnungskräften gegenüber. Und so vereinen sich während der Pandemie zwei Eigenschaften, die den echten Berlinern und jenen, die es werden wollen, nachgesagt werden: sich nicht darum zu scheren, was in Verordnungen steht – Eigenschaft Nummer eins. Nummer zwei: sich über andere Ignoranten zu beschweren.

So geschieht es beim Fahrradfahren auf dem Gehweg. So verhält es sich beim Parken in zweiter Reihe. Corona-Partys im Park? Alkoholausschank im Hinterzimmer? Maskenfreiheit in der Maskenzone? Wo kein Kläger, da kein Richter. Und wenn doch, redet man sich heraus - Eigenschaft Nummer drei. Schließlich erschwert ja die Vermummung den Griff an die eigene Nase.

Hier sei die Mutter aller Verordnungen zitiert, Paragraf acht: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“ In der an dieser Stelle ausdrücklich gewünschten Konsequenz bedeutet das: Eigenverantwortung übernehmen! Maske auf! Wann immer es geboten – pardon – vernünftig ist.