Aus einer Motorrad-Sturmhaube selbst gestaltete Maske.
Foto: dpa/Christoph Soeder

Berlin„Du schreibst den janzen Tach über Corona, aber hast noch nich een mal über die janzen Masken jeschriem, mit denen die Leute rumloofen“, sagt mein innerer Berliner. „Muss ich das?“, frage ich. „Naja, da könntste sehr schön erzähln, wie dir imma die Brille beschlächt, wenn de einkoofen jehst. Und wie de nischt siehst inne Rejale! Und wie de den Leuten mitn Wagen inne Hacken fährst.“ – „Ja, du Meckerkopp, aber dafür springt mich das böse Virus nicht an“,  sage ich. Er darauf: „Ja, sei fröhlich im Gloobn!“

Mal ehrlich: Wozu soll ich über Masken schreiben? Mir fällt da gar nichts ein. Na gut, zugegeben, das künstlerische Volksvermögen der Masken-Näherei ist schon beeindruckend. Man sieht Gebilde in Form von Kaffeefiltern und BH-Körbchen, mit Tiergesichtern, Blumen, Totenkopfgrinsen oder schönen Sprüchen, zum Beispiel: „Unioner ohne Macke sind kacke!“, wie ich auf der Maske einer Köpenickerin las. Anderswo entdeckte ich die Beatles-Zeile: „Whisper words of wisdom, let it be“. Das Flüstern der weisen Worte lässt sich übrigens unter der Maske schön nachahmen: „Wiffper wörpff of wiffbäm“.

Welchen Spruch würde ich mir denn auf die Maske malen? Irgendwas Gereimtes? Vielleicht. Besonders viel reimt sich allerdings nicht auf das Wort Maske. Hier ein kleiner Versuch:

Ach, als Reimwort ist die Maske/ reineweg zu gar nichts nütze./ Immer komm ich nur auf: Baske!/ Trägt der nicht ’ne Baskenmütze?/ Außerdem gibt’s da noch: vaske,/ norwegisch für „waschen, putzen“./ Wasch die Maske, Mensch! Denn das ge-/ hört sich so nach dem Benutzen!

Ganz nebenbei: Die Maske ist auch ein schönes Symbol für die ganze Gesellschaft. Sehr schön drückte dies einst das Münchner Humorblatt Fliegende Blätter aus: „Alle Menschen, welche leben,/ Alle, wie sie sich auch geben,/ Tragen Masken bis zum Grab;/ Nur in tollen Faschingstagen,/ Wenn sie Narrenmasken tragen,/ Da nur fällt die Maske ab.“ Und der Philosoph Jean-Jacques Rousseau schrieb: „Die Maske fällt, es bleibt der Mensch; was heldisch war, sinkt hin.“

Meine Frau und ich haben übrigens eine schöne Tradition. Immer, wenn das Wort Maske fällt, reagieren wir auf dieselbe Weise. Sie sagt zum Beispiel nach dem Einkaufen: „Wir sind draußen. Du kannst deine Maske absetzen!“ Meine Antwort darauf, keuchend und mit den Augen rollend: „Hä? Maske? Was für eine Maske?“

Das Vorbild ist ein Sketch von Loriot. Eine junge Journalistin interviewt den Horrorfilm-Darsteller Vic Dorn, einen hässlichen Typen mit grässlich klumpiger Nase und hervorstehenden Zähnen. Sie sagt: „Wir finden es besonders reizend, dass Sie heute Abend für unsere Zuschauer Ihre berühmte, unverwechselbare Horrormaske angelegt haben. Wer hat sie entworfen?“ Und Vic Dorn darauf, völlig verwirrt: „Wie, entworfen? Was für eine Maske?“

Das Wort Maske kommt übrigens aus dem Arabischen (mashara) und bedeutet „Narr“, „Posse“, „Scherz“. Ich finde auch, dass man auf alle Fälle den Humor behalten sollte.