Anja Gockel. 
Foto: dpa/Boris Roessler

Berlin - Die Modedesignerin Anja Gockel bezweifelt den Sinn des Umzugs der Modemesse Premium aus Berlin nach Frankfurt am Main: „In Frankfurt kann man gute Partys feiern, aber in so eine Messehalle passt kreative Mode nun wirklich nicht!“ Die Einladungen für ihre Shows, die sie seit Jahren während der Fashion Week im Adlon zelebriert, waren schon immer begehrt. Und haben sich gerade in Goldstaub verwandelt, denn Anja Gockel wird sich weder von Corona noch von der abgesagten Fashion Week davon abhalten lassen, auch diesmal ihre Entwürfe zu zeigen.

Am 30. Juni will sie ihre Gäste im Hotel am Pariser Platz begrüßen: „Wir werden die Corona-Regeln strikt einhalten, davor haben wir großen Respekt. Das bedeutet zunächst mal, dass wir die Gästezahl von 600 auf 300 reduzieren.“ Wegen des notwendigen Abstands erreicht sie die 300 nur mit zwei Shows, einer am Nachmittag und einer am Abend. „Die meisten Models werden Masken tragen. Unsere Gäste werden direkt von der Anmeldung zu ihren Plätzen geführt und dort bewirtet, damit sich keine Ansammlungen bilden.“

Anja Gockel hat eine Grundüberzeugung, die sich für sie gerade auch wieder bestätigt hat: „Egal, wie groß der Druck auf ein System ist – für Kreativität ist immer Platz.“ Ihre neue Kollektion heißt Asuka: „Das ist ein japanischer Mädchenname, den man mit ‚der Duft von morgen‘ übersetzen kann. Diesmal steht über der Show das Aikido-Motto: Nimm den Schlag als ein Geschenk. Das widerspricht total unserer westlichen Denkweise. Aber es passt gerade wahnsinnig gut.“ Die Corona-Zeit ist für sie „eine Zeit zwischen Mut und Demut“. Die Designerin hat ihre Firma gerade mit der Produktion von stylishen Masken aus eigener Kraft aus dem Sumpf gezogen: „Wir konnten 2500 Masken verkaufen. Das hat uns den Hintern gerettet!“

Auch wenn jetzt viel davon die Rede ist, dass der Modezirkus von Berlin nach Frankfurt am Main umzieht, lässt Anja Gockel sich und ihre Shows davon nicht mitreißen, obwohl sie ihre Firmenzentrale in Mainz hat und Fahrzeit und Fahrkosten sparen könnte: „Ich bleibe in Berlin!“