Masken und Kostüme aus Oberschöneweide: Berliner Firma Maskworld kleidet Fantasy-Fans mit Latex und Leder ein

An dieser Rüstung kann eigentlich kein Elfenkrieger vorbei. In sattem Rot hängt die Kombination in der Leder-Werkstatt der Firma Maskworld in Oberschöneweide. Mit Brustpanzer und Beinschutz aus drei bis vier Millimeter starkem Rindsleder, naturgegerbt, mit seitlicher Schnürung und Metallschnallen auf der Vorderseite. „Wegen der Armfreiheit besonders geeignet für Bogenschützen“, versprechen die Macher.

„Echte Handarbeit“, sagt Maskworld-Chef Roman Matthesius, und es klingt Bewunderung für die Arbeit seiner Fachleute mit. Der Preis liegt im mittleren dreistelligen Bereich – aber welcher Fan lässt sich davon schon beeindrucken, wenn er stilecht in Fantasy-Welten eintauchen kann.

12.000 Artikel im Sortiment

Einen kompletten Tag dauert die Herstellung einer solchen Rüstung in der Lederwerkstatt des Unternehmens. Unter der Marke „Andracor“ werden die Produkte vertrieben, und sie sind Teil des beeindruckenden Aufstiegs, den die 1999 gegründete Firma genommen hat. Als Online-Shop für Masken gestartet, führt maskworld.com heute Verkleidungsartikel aller Art – von Mister-Spock-Ohren über Halloween-Masken bis hin zu kompletten Kostümen.

Für Berliner Verhältnisse ist die Firma heute ein beachtlich großes Unternehmen mit rund 120 Mitarbeitern, einem Umsatz im zweistelligen Millionenbereich, zwei großen Ladengeschäften in Mitte – und eben eigener Fertigung in Berlin.

„Wir kommen mit unserer Lederproduktion der Nachfrage kaum hinterher“, sagt Matthesius. In der Werkstatt in den geschichtsträchtigen Rathenau-Hallen am nördlichen Spreeufer liegen in Kästen Nieten und Unterlegscheiben in allen Größen und Formen bereit, daneben Lochzangen. Leder in verschiedenen Farben und Größen. Altgediente Maschinen, zum Teil mit eigenen Namen, prägen das Bild. „Nietenmaschinska“ ist an die eine gepinselt, an eine andere „Ösi“, eine größere heißt „alte Berta“. Die Stanzpresse hat zwar schon Jahrzehnte auf dem Eisenbuckel, sagen die Macher in der Werkstatt, die Brüder Stephan und Andreas Langnick, aber sie liefere immer noch absolute Qualität.

Dennoch wollen Maskworld-Chef Matthesius und sein Kompagnon Georg M. Dittrich in neue Maschinen investieren. „Dann könnten wir unsere Produktpalette erweitern“, sagt Matthesius, der auch eine Schauspiel-Ausbildung absolviert hat, „dann könnten wir auch Metall schneiden und selbst Masken herstellen“. Bisher werden sie von anderen Produzenten bezogen. Dann, so die Überlegung, könnte auch die Arbeit etwas automatisiert werden, ohne dass der Charakter der Manufaktur verloren geht.

Rund 12.000 Artikel umfasst das Sortiment des Unternehmens, und der 38-jährige Chef hat große Pläne. Etliche Dinge wie falsche Nasen, Ohren oder besonders schöne Horror-Wunden produziert das Unternehmen aus Latex selbst. Aber Matthesius will den Eigenanteil noch vergrößern. „Ich glaube an die Qualität des Standortes Berlin-Brandenburg“, sagt er. Wenn man die geforderte Qualität der Arbeit mit dem hiesigen Lohngefüge ins Verhältnis setzt, sei das vorteilhafter als ein Abenteuer in Fernost mit Billigstpreisen. Natürlich lässt auch Maskworld.com an anderen Standorten fertigen, etwa in Delhi, „aber da war ich selbst vor Ort und habe mir die Produktionsbedingungen genau angeschaut“, so Matthesius.

Weitere Läden geplant

Außerdem kann sich Matthesius eine Expansion im stationären Geschäft vorstellen – ermutigt vom Erfolg der beiden Läden in der Oranienburger Straße. Beim ersten liefen unter anderen Händlern in der Straße noch die Wetten, ob ein Laden für Faschingsartikel und Kostüme in der Touristen-Laufregion funktionieren und wie lange dieser durchhalten würde. Bald wurde aber selbst die Erwartungen der Maskworld-Gründer übertroffen. Zu Halloween standen die Kunden in einer 50 Meter langen Schlange und warteten auf Einlass.

Der zweite Store wurde erst vor ein paar Monaten eröffnet: Unter der Marke „Supreme Replicas“ werden authentische Repliken verkauft – von Schwertern und Helmen bis zu Gewandungen „aus vergangenen Epochen und fantastischen Welten“. Dazu Lizenzprodukte aus Filmen wie „Star Wars“ und von Spielen wie „Assassin’s Creed“.

„Wir liebäugeln inzwischen mit weiteren Großstädten, in denen wir Stores eröffnen könnten“, sagt Matthesius. Vielleicht in Köln, in der Karneval-Hochburg, wo immer Bedarf an Verkleidungsartikeln besteht, vielleicht in Hamburg oder in München. „Es wäre dumm, solche Pläne nicht umzusetzen“, sagt der hoch aufgeschossene Geschäftsführer. Bisher sind die beiden Firmengründer mit eigener Finanzkraft und ohne Investor über die Runden gekommen. Sie haben nicht vor, dies kurzfristig zu ändern.

Änderungen könnten sich allerdings an ihrem jetzigen Produktionsort ergeben. In den monumentalen Rathenau-Hallen haben sie rund 6000 Quadratmeter Fläche gemietet, in denen neben Verwaltung, Produktion und Lager auch ein Foto- und Videostudio eingerichtet ist. In dem alten Industriegebiet Oberschöneweide, dessen herben Charme („sehr historisch mit eigenem Spirit“) Matthesius als Antrieb für die eigene Arbeit schätzt, gibt es intensive Diskussionen und Auseinandersetzungen über die künftige Nutzung: vor allem als Gewerbegebiet oder doch als Platz für Wohnbebauung, die unweigerlich mit einem produzierenden Gewerbe über kurz oder lang in Konflikt gerät.

Matthesius ist das klar: „Wenn es hier in Richtung Wohnen geht, dann ist kein Platz mehr für unser und anderes Gewerbe sowie Logistik mit Lkw, Hubwagen und entsprechenden Geräuschen. Dann müssten wir uns neu orientieren.“ Er finde auch einen anderen Standort, an dem er weitermachen könne. „Aber wenn wir hier bleiben, dann langfristig“, ist er sicher: „Denn der hier ist einfach mit seiner Geschichte und von der Größe her klasse.“