Auch in Berlin gilt nun eine Maskenpflicht in Geschäften.
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BerlinTchibo war schon vorgeprescht. In den rund drei Dutzend Berliner Filialen des Hamburger Kaffeerösters gilt schon seit Tagen das Maskengebot – lange bevor es der Senat zur Pflicht machte. „Wir haben uns entschlossen, bundesweit in allen Filialen eine Maskenpflicht einzuführen. Das galt ab dem Tag, an dem sie wieder öffnen durften“, bestätigt Konzernsprecher Arnd Liedtke im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Es sei für einen Filialisten wie Tchibo schlicht unpraktisch und fast nicht möglich, punktgenau auf die unterschiedlichen Regeln in den einzelnen Bundesländern zu reagieren, so Liedtke. „Außerdem halten wir es für richtig, dass unsere Mitarbeiter und unsere Kunden geschützt werden“, sagt er. Dazu gehöre auch, dass es in allen Filialen Spuckschutzscheiben an den Kassen sowie strenge Abstandsregeln gebe.

Der Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg hat bereits in den vergangenen Tagen Zustimmung zu einer Pflicht signalisiert. Diese dürfe freilich nur für Kunden gelten, Verkäuferinnen und Verkäufer müssten davon freigestellt bleiben.

Nach Worten von Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen sei eine solche Pflicht für das Personal unzumutbar. Zustimmung für eine erweiterte Maskenpflicht kommt auch von der Opposition. „Die Entscheidung, jetzt doch eine Maskenpflicht im Einzelhandel einzuführen, war überfällig“, teilte der Berliner CDU-Vorsitzende Kai Wegner nach der Senatssitzung mit. Die Maskenpflicht trage dazu bei, das Leben in der Stadt unter Wahrung des Gesundheitsschutzes wieder hochzufahren.

Doch Wegner wäre kein Oppositionsführer, wenn er nicht die Gelegenheit zur Attacke nutzen würde. „Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, denn erneut musste der Senat seine Corona-Politik binnen weniger Tage korrigieren“, heißt es weiter. „Mit diesem Zickzackkurs verspielt Rot-Rot-Grün Vertrauen in den Schutz von Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Senatsparteien müssen endlich zu einer klaren Linie finden. Rot-Rot-Grün muss Schluss machen mit peinlichen Sondertouren und öffentlichem Streit“, so Wegner.