Hühner dicht an dicht auf Stangen in einem düsteren Großstall, fast allen Tieren fehlen massenhaft Federn, die sie sich offenbar gegenseitig ausgerissen haben. Das sind Bilder, die angeblich aus einem Großstall im südbrandenburgischen Roggosen (Spree-Neiße) stammen sollen.

Dazu gibt es weitere Fotos, die die international tätige Organisation Animal Equality veröffentlicht hat, die sich für Tierschutz und gegen Massentierhaltung einsetzt. Zu sehen sind tote Tiere auf Gittern im Stall, verweste und  ausgetrocknete Tierkadaver.

„Es lag ein Hinweis vor, dass die Zustände in dem Betrieb besonders dramatisch seien“, sagte Animal Equality-Sprecherin Katharina Weiss der Berliner Zeitung. „Da die Tierkadaver dort schon verwest sind und die Kotschicht, in der sie liegen, sehr dick ist, gehen wir davon aus, dass die Zustände seit langem so sind.“

Es seien auch keine spontanen und einmaligen Aufnahmen gewesen, sondern es wurde vor einigen Wochen mehrfach gedreht. „Dort scheint es erhebliche Probleme beim Stallmanagment zu geben. Deshalb haben wir Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Cottbus gestellt.“

Stress und Verhaltensstörungen

„Die Tiere weisen massive Schäden auf, die Qualen und Schmerzen auch im Sinne des Tierschutzgesetzes zur Folge haben”, sagte Claudia Preuß-Ueberschär vom Verein Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft. „Es handelt sich dabei um die Auswirkungen einer mangelhaften Haltung, die die arteigenen Bedürfnisse der Tiere nicht berücksichtigt und durch hohe Besatzdichten Stress und Verhaltensstörungen auslöst.”

Die Anlage gehört mit einer Zulassung für 1,6 Millionen Tiere zu einem der größten Betriebe bundesweit und ist der größte Betrieb dieser Art im Land Brandenburg.

Vorwurf: Eier kommen mit Kadaver in Kontakt

Die Tierschützer sagen, dass die Eier in dem Betrieb - wie in der hiesigen Branche üblich - nicht gewaschen werden, weil sie dann länger haltbar seien. „Da lag ein Tierkadaver auf dem Förderband, über das die Eier liefen“, sagte Katharina Weiss. „Das bedeutet, die Eier kommen mit toten Tieren direkt in Kontakt, laufen dann ungewaschen über das Band und werden gleich danach verpackt.“

Die Kontrollen durch die Tierschutzorganisation hätte ergeben, dass die Eier an fast alle großen Lebensmittelketten gehen wie Rewe, Edeka , Aldi oder Netto. Die Organisation Animal Equality behauptet, es handle sich um exemplarische Haltungsbedingungen der Branche. „Aber im Vergleichen mit anderen Anlagen ist der Zustand dramatisch und zeugt von erheblichen Mängeln“, sagte Katharina Weiss.

Amt findet keine Mängel

Für die Kontrollen zuständig ist das Veterinäramt des Landkreis Spree-Neiße. Die Pressestelle teilte mit: „Die Vorwürfe zu angeblichen Mängeln hinsichtlich der Hygiene und des Tierschutzes in dem Legehennenbetrieb (Ehlego) können vom zuständigen Veterinäramt des Landkreises Spree-Neiße weder bei durchgeführten Regelkontrollen in der Vergangenheit noch bei der heutigen Vorort-Kontrolle bestätigt werden.“

Weiter heißt es: „Die Anforderungen des Tierschutzgesetzes und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung werden im genannten Betrieb eingehalten.“ Obwohl es keine Probleme gab, heißt es aber auch: Auftretende Probleme in dieser Tierhaltung wurden und würden „konstruktiv und fachlich fundiert mit den Verantwortlichen des Betriebes und des betreuenden Tierarztes beraten und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht."

Betrieb spricht von Kampagne

Der Betrieb, die Ehlego Landhof GmbH, weist die Vorwürfe als unbegründet zurück und lässt juristische Schritte gegen die Tierschützer prüfen. Anwalt Walter Scheuerl sagt der Berliner Zeitung, dass es sich um eine Kampagne handle, die „in Aufbau und Ablauf mit früheren Skandalisierungen ähnlicher Art“ passe. Solche Videoaufnahmen würden unter Begehung von Straftaten besorgt. Er behauptet: „Der Rufschaden, den der ordentlich mit seinen Tieren umgehende Tierhalter erleidet“, werde gern in Kauf genommen.

In einer Stellungnahme des Unternehmens, die der Berliner Zeitung vorliegt, schreibt Geschäftsführerin Ulla Ehlenberger, dass die Ställe würden zwei Mal täglich von den Mitarbeitern überprüft. „Hinzu kommen die veterinärmedizinischen Kontrollen durch Bestandstierarzt und das Veterinäramt.“

„Vorwürfe haben sich nicht bestätigt“

Gleich nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, habe es wieder ein Kontrolle gegeben. „Die Vorwürfe angeblicher Hygienemängel oder Tierschutzverstöße haben sich dabei nicht bestätigt“, heißt es. Die Firmenchefin schreibt, dass die Tierrechtsgruppe bekannt sei für ihre radial vegane Grundeinstellung und schon mehrfach ähnliche Kampagnen gemacht habe. Sie schreibt auch, dass die Aufnahmen aus einem „nicht konkret identifizierbaren Stall“ stammen.

Weiterhin heißt es in der Stellungnahme, dass nicht klar ist, ob die Kadaver, die zu sehen sind, extra für die Filmarbeiten aus der Kadaver-Box genommen und aufs Band gelegt wurden. Oder ob die Tiere „zwischen dem letzten Kontrollgang und dem nächtlichen Hausfriedensbruch der Täter dort verstorben sind“.

Der Betrieb Ehlego Landhof GmbH, deren Name aus einer Buchstabenkombination des Namens ihres Gründers Egon Ehlenberger entstand, zählt bundesweit zu den bedeutendsten Eierproduktionsbetrieben, der Stammbetrieb ist in Rheinland Pfalz. 1991 übernahm Ehlego den ehemaligen VEB-Betrieb der DDR in Roggosen.

Bürgermeister Dieter Perko sagte der Berliner Zeitung, er sei zwei Mal im Jahr in dem Betrieb. "Aus meiner Sicht ist es ein Vorzeigebetrieb, der sehr seriös geführt wird und über den wir von den Mitarbeitern nie etwas negatives gehört haben."

Die Organisation Animal Equality will mit den aktuellen Videoaufnahmen aufzeigen, dass die Haltungsbedingungen sich seit dem Verbot der Käfighaltung für Hühner im Jahr 2009 nicht gravierend verbessert haben und dass die danach folgende Alternative – die Bodenhaltung – ebenfalls „eine grausame Form der Massentierhaltung“ sei.

„Dass sie von den Betrieben als tierfreundliche Variante verkauft wird, entspricht nicht der Wahrheit“, sagte Sprecherin Katharina Weiss. Die Eierbranche müsse die Haltungsbedingungen so verändern, dass das "dokumentierte Tierleid" nicht mehr passiere. Nötig sei eine niedrigere Besatzdichte sowie mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für die Hühner, weil sich so nachweislich bestimmte Verhaltensstörungen wie das gegenseitige Federpicken und der Kannibalismus erheblich reduzieren ließen.