Das Krisenmanagement Berlins bei der Unterbringung von Geflüchteten ruft internationale Beachtung hervor. Journalisten aus Italien, Österreich, Spanien und Schweden haben sich zum Rundgang durch die Hangars des früheren Flughafens Tempelhof eingefunden, zu dem am Mittwoch die Senatssozialverwaltung eingeladen hat.

Die Menge wird durch den Vorraum geschleust. Ein kurzer Blick in den medizinischen Versorgungstrakt ist gestattet. Er wurde erst vor wenigen Tagen eingerichtet, obwohl die Massenunterkunft mit derzeit knapp 2 000 Bewohnern bereits seit rund sechs Wochen in Betrieb ist. „Jeder Neuankommende wird medizinisch untersucht“, berichtet Michael Elias vom Betreiber Tamaja. Vereinzelt gebe es Krätze und Läuse. „Mit viel Glück und Gottes Segen halten wir das im kontrollierten Rahmen.“

Lieferengpässe für mobile Duschen

Weiter geht es in den Hangar 1. 54 weiße Zelte mit jeweils sechs Doppelstockbetten stehen dicht an dicht in der riesigen Halle. Es gibt zwei Isolierzelte für Kranke mit ansteckenden Krankheiten. Der Hangar wird durch ein Gebläse beheizt. Es geht am Essensbereich vorbei, im Gang balancieren Kinder auf Gymnastikbällen. Mitarbeiter des Kinderzirkus Cabuwazi betreuen sie. Eine Frau aus Bagdad gesellt sich zu der Gruppe, sie hält sich den Bauch.

Sie könne nicht duschen, es gebe kaum Toiletten, sie habe Rheuma, sagt sie. Mobile Toiletten sind draußen, am Rand des Flugfeldes aufgebaut. Insgesamt gibt es 171 für 2000 Menschen. Duschen sind nicht vorhanden. „Die Bewohner werden alle vier Tage zum Duschen in Schwimmbäder gefahren“, sagt Tamaja-Sprecherin Maria Antonia Kipp. „Die sanitäre Situation ist das größte Problem.“ 150 Duschen sollen angeschafft werden. „Aber es gibt Lieferengpässe. Und wir sind auf die finanzielle Unterstützung von Lageso und Sozialverwaltung angewiesen.“

Auch Waschmaschinen fehlen. Dafür soll es eine zentrale Kleiderkammer geben. „Ein Antrag für die Finanzierung einer Kleiderkammer liegt derzeit beim Lageso“, sagt Kipp. Es sind diverse Anträge, die zurzeit beim Lageso und der Sozialverwaltung liegen. Wenn es nach dem Betreiber geht, sollen die Hangars lediglich eine Erstaufnahmeeinrichtung sein. Das heißt, die Menschen sollen dort nicht länger als zwei Wochen bleiben. „Dieser Zeitraum ist gerade noch vertretbar“, sagt Kipp. Stattdessen gebe es viele Bewohner, die am Tag der Eröffnung eingezogen seien.

Noch in diesem Jahr sollen alle Hangars mit 4000 Menschen belegt sein. „Das geht nur mit einer vernünftigen Infrastruktur“, sagt Kipp. „Doch die Bearbeitung des Konzepts liegt beim Senat.“ Sascha Langenbach, Sprecher der Sozialverwaltung, sagt: „Wir können kein komplettes Organigramm einer neu entstehenden Stadt präsentieren. Da bitte ich um etwas Geduld.“