Schluss, aus, vorbei. In der vergangenen Woche hob in Berlin-Tegel zum vorerst letzten Mal ein Airbus A 330-300 der Lufthansa nach New York ab. Nicht einmal fünf Monate, nachdem die größte deutsche Luftfahrtgesellschaft die Route über den Atlantik übernommen hatte, stellte sie die Linie wieder ein.

Damit hat sich die Erreichbarkeit der deutschen Hauptstadt weiter verschlechtert. Damit die Zahl der Interkontinentalverbindungen nach Berlin endlich wieder steigt, setzt die Flughafengesellschaft FBB nun ein Lockmittel ein. Die neue Entgeltordnung für Tegel und Schönefeld, die am 9. Mai in Kraft treten, will Airlines mit einer massiven Förderung ködern.

„Berlin soll attraktiver für den Interkontinentalverkehr werden“, sagte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf am Donnerstag. „Mit verbesserten Konditionen wollen wir Langstrecken fördern.“ Wer die Kriterien erfüllt, bekommt Gebühren erstattet – bis zu 100 Prozent. Flughafennutzung zum Nulltarif.

Nachholebedarf gibt es jedenfalls. Zwar ist Berlin mit 3,7 Millionen Einwohnern eine der größten Städte dieses Kontinents und das politische Zentrum des wirtschaftlich stärksten Landes in Europa. Doch wer von anderen Kontinenten hierher fliegen will, muss damit rechnen, unterwegs umsteigen zu müssen – etwa in London, Paris, Frankfurt oder Düsseldorf.

Keine Lust auf neue Drehkreuze

Die Krise bei Air Berlin, die 2017 zum Ende der Fluggesellschaft führte, hat Berlin besonders hart getroffen. Schon Wochen vor dem endgültigen Aus stellte die Airline ihre Langstrecken von Tegel nach San Francisco, Los Angeles, Chicago, Miami und Abu Dhabi ein.

Gesellschaften wie die mongolische MIAT, die wie eh und je nach Ulan Bator fliegt, Hainan (Peking) und Qatar Airways (Doha) halten Berlin die Treue. Doch große Luftfahrtunternehmen zeigen wenig Lust, hier Nonstopverbindungen anzubieten. Ob finanzielle Anreize das ändern, wird sich nun zeigen.

Dass es so wenige Interkontinentalflüge nach Berlin gibt, liegt aber wohl kaum an den Kosten der Flughafenuntzung. Zwar reisen viele Touristen hierher, aber meist mit Billigtickets. Der Geschäftsreiseverkehr, in dem Airlines viel mehr Geld erlösen, ist nach Berlin weiterhin schwach. So lange der BER nicht fertig ist, stehen wenig attraktive Alternativen zur Verfügung: das überlastete Tegel und das spartanische Schönefeld. Zudem sind große Airlines bemüht, ihre jetzigen Knotenpunkte auszulasten. Weitere kostspielige Drehkreuze können sie nicht brauchen.

Bereits die geltenden Entgeltordnungen garantieren drei Jahre lang hohe Förderbeträge. Wer eine Fluglinie in eine Stadt eröffnet, die in den vergangenen zwölf Monaten nicht direkt von Berlin bedient worden ist, bekommt für das erste Jahr 80 Prozent der Gebühren zurück. Für das zweite Jahr erstatten die Flughäfen immerhin die Hälfte der Passagierentgelte sowie Start- und Landegebühren. Fürs dritte Jahr zahlt das Staatsunternehmen FBB, das Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört, 20 Prozent.

Interkontinentalrouten mit jährlich mindestens 10.000 Passagieren

Neu ist nun, dass für Interkontinenalstrecken die Förderbeträge deutlich erhöht werden. Für neu eingerichtete Fluglinien, die über Europa und einige Länder im Umkreis hinaus gehen, werden von Mai an für das erste Jahr 100 Prozent Förderung gewährt. Danach bekommen Airlines 70 Prozent, fürs dritte Jahr 40 Prozent zurück. Damit nicht genug: Die Förderung wird auf die Entgelte erweitert, die für Nutzung von Abstellpositionen auf dem Vorfeld zu zahlen sind.

Ebenfalls neu ist die „Wachstumsförderung“. Dafür kommen Interkontinentalrouten mit jährlich mindestens 10.000 Passagieren in Betracht, für die es keinen Anspruch auf die andere Förderung gibt. Steigt dort die Fluggastzahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als drei Prozent, erstattet die Flughafengesellschaft für jeden zusätzlichen Passagier neun Euro.

Es gibt schon eine Airline, die in den Genuss der neuen prozentualen Förderung kommt. Scoot, Tochtergesellschaft von Singapore Airlines, fliegt von Tegel nach Singapur. „Der erste Flug ist für 20. Juni geplant“, teilte Daniel Tolksdorf mit. Viermal wöchentlich geht es nonstop umit einer Boeing 787 Dreamliner in den südostasiatischen Stadtstaat. Singapore Airlines hatte die Route selbst bedient, sie aber bald wieder eingestellt.

„Mehr Lärm und Dreck“

Bei Anwohnern stoßen die neuen verkehrsfördernden Konditionen (so die offizielle Bezeichnung) auf Kritik. „Mehr Verkehr bedeutet mehr Lärm und Dreck“, sagte Rolf-Roland Bley, Sprecher der Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen. „Es wird mit erheblichen finanziellen Anreizen der Flugbetrieb ausgeweitet“ – für die Anlieger von Tegel und Schönefeld eine schlechte Nachricht.

Die Fluglärmschutzkommission sei in das Verfahren nicht einbezogen worden, bemängelte Bley, der im Spandauer Ortsteil Staaken wohnt. „Höchst empörend und nicht hinzunehmen.“

Kritisch gesehen wird auch der Vorstoß des neuen Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer gesehen (CSU), der sich wie sein Vorgänger Alexander Dobrindt für die Offenhaltung Tegels einsetzt. „Ein faules Osterei“, sagte Helmut Breidenbach, Präsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm.

Bedenklich sei, dass Scheuer das nicht verbindliche Ergebnis des Tegel-Volksentscheids als eine Begründung für den Weiterbetrieb heranziehe – während die CSU in München eine verbindliche Abstimmung gegen den Bau einer dritten Startbahn unterlaufen will.