Eine Woche vor Ferienbeginn haben mehr als 2000 Grundschullehrer für erheblichen Unterrichtsausfall gesorgt. Sie versammelten sich auf Personalversammlungen, viele zogen danach weiter vor die Bildungsverwaltung. Dort demonstrierten sie dafür, dass auch langjährige Grundschullehrer umgehend in die höherer Gehaltsstufe E13 aufrücken. Denn zunächst kommen nur frisch ausgebildete Grundschullehrer in die höhere Gehaltsstufe – und werden somit bundesweit einmalig wie Oberschullehrer bezahlt. Langjährige Grundschullehrer müssen hingegen Berufserfahrung und Fortbildung nachweisen. Und völlig ausgenommen sind einstige DDR-Lehrer für die unteren Klassen (LuK), weil sie an den Instituten für Lehrerbildung studiert hatten – ohne zuvor das Abitur zu haben. Trotzdem wurden viele nach der Wende als Beamte übernommen. Nun sind sie enttäuscht und demonstrierten.

Ohne Abitur kein Monatslohn vpn 5200 Euro brutto

„Ich bekomme nun nach 30 Dienstjahren bescheinigt, dass ich gar keine echte Lehrerin bin“, sagte LuK-Lehrerin Christina Aster. Dabei kümmere sie sich seit vielen Jahren um die Schulanfänger, bilde Referendare und neuerdings auch Quereinsteiger aus.

Die Finanzverwaltung ist hingegen der Auffassung, dass das Laufbahnrecht einer Höhergruppierung der LuK-Lehrer entgegenstehe. Mit anderen Worten: Wer kein Abitur gemacht hat, der soll auch keinen Monatslohn von etwa 5200 Euro brutto erhalten. So viel verdienen nämlich künftig jene Grundschullehrer, die dann wie Studienräte an Gymnasien bezahlt werden. Wenn sie eine volle Stelle haben. Das bedeutet eine Gehaltssteigerung von 500 Euro brutto. Damit will die Bildungsverwaltung dem Lehrermangel an Grundschulen begegnen.

Der Senat hat im gerade beschlossenen Haushaltsentwurf 2018/19 bereits das Geld für die neuen Grundschullehrer eingestellt. Das kostet in den ersten drei Jahren 11,2 Millionen Euro. Nach Informationen der Berliner Zeitung geht die Bildungsverwaltung zudem davon aus, dass 5000 von insgesamt etwa 12 000 Grundschullehrern die Voraussetzung für eine Höhergruppierung erfüllen. Im Jahr 2018 rechnet man laut einer Kostenaufstellung mit 500 Lehrern, die mehr Geld erhalten, 2019 sollen 1500 weitere folgen. Das wird weitere Mehrkosten von gut 12 Millionen Euro nach sich ziehen. Ab Januar 2018 soll auch das Gehalt für die 390 Konrektoren angehoben werden. Jährliche Kosten: 2,24 Millionen Euro.

Kompromiss bei Schulbüchern

Im Streit um die Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit verhandelte der rot-rot-grüne Senat in letzter Minute einen Kompromiss. Insbesondere die Grünen hatten sich gegen sofortige Gratis-Schulbücher für alle gewandt, wollten andere Prioritäten setzen. Nun soll die Lernmittelfreiheit ab dem kommenden Schuljahr zunächst nur für die Grundschulen gelten. Dort wird häufig noch mit klassischen Schulbüchern gearbeitet. „Wir haben aber gleichzeitig auch die pädagogische Qualität erhöht“, sagt Maja Lasic, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Als Beispiele nannte sie mehr Personal für die Inklusion, mehr Geld für Schulhelfer und auch für die Begabtenförderung.

Für die Gymnasien und Sekundarschulen soll hingegen erst noch ein Konzept erarbeitet werden, das auch digitale offene Lernmittel wie Open educational resources (OER) stärker berücksichtigt. OER sind für Lehrer zugängliche, freie Bildungsmaterialien, die kurzfristig ergänzt werden können. Da die Bedeutung des klassischen Schulbuches abnimmt, hatten die Grünen dafür geworben, die Digitalisierung der Schulen nicht zu verschlafen.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh und auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) wollten die Gratis-Schulbücher für alle Schüler wieder einführen. Der rot-rote Senat hatte die Lernmittelfreiheit vor knapp 15 Jahren abgeschafft – aus Spargründen.