Am Alexanderplatz sollen weiterhin bis zu zehn Hochhäuser entstehen. Das sagte der Architekt Hans Kollhoff am Dienstag bei der Präsentation seines überarbeiteten Masterplans für den Alexanderplatz. Zwar könnten die beiden Hochhäuser, die bisher am früheren Haus des Reisens und am Standort des Berliner Verlages geplant waren, nicht wie vorgesehen gebaut werden, weil die zu DDR-Zeiten errichteten Gebäude inzwischen unter Denkmalschutz stehen. Dies bedeute aber nicht, dass die Türme gar nicht errichtet werden. Er werde über „Alternativen nachdenken“, so der Architekt.

Kollhoff hatte 1993 den Wettbewerb zur Neugestaltung des Alexanderplatzes mit einem Entwurf gewonnen, nach dem zehn bis zu 150 Meter hohe Turmhäuser entstehen sollten. Bis heute ist jedoch nicht ein einziges davon realisiert worden. Lediglich für zwei Hochhäuser gibt es zurzeit Pläne.

Das Abgeordnetenhaus beschloss 2014, dass die bisherige Planung überprüft werden soll. Kollhoff wurde mit der Überarbeitung seines Masterplans beauftragt. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher stellte am Dienstag klar, dass der Alexanderplatz als Hochhaus-Standort nicht infrage gestellt werde. Es bleibe dabei, dass der Alex im Osten und die City-West am Breitscheidplatz die festgelegten Hochhaus-Standorte seien. Neu sei jetzt, dass die Planung stärker die bestehenden Gebäude einbeziehe, so Lüscher.

Das Haus des Reisens und das Gebäude des Berliner Verlages, in dem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier erscheinen, seien dabei als Bausteine zu berücksichtigen. Hier verläuft die Konfliktlinie. Hubert Staroste vom Landesdenkmalamt betonte, dass die denkmalgeschützten Gebäude nicht in ihrer städtebaulichen Wirkung beeinträchtigt werden dürften. So sei es nicht möglich, ein Hochhaus einfach vor das ehemalige Haus des Reisens zu stellen.

Obwohl die überarbeitete Planung die bestehenden Häuser stärker einbeziehen soll, setzt sie zugleich weiter stark auf Abriss. So soll das ehemalige Haus der Elektroindustrie, das nach Meinung der Planer wie ein Riegel wirkt, einer neuen Blockbebauung weichen. Aus den Blöcken sollen später zwei Hochhäuser emporwachsen. Konfliktstoff birgt Kollhoffs Planung für einen Wohnblock an der Memhardstraße/Ecke Karl-Liebknecht-Straße.

Hier setzt der Architekt darauf, dass ein alter Plattenbau der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) abgerissen und durch einen Neubau-Block ersetzt wird. Die WBM versuchte auf Anfrage sofort zu beruhigen: „Das Haus wird in den nächsten fünf Jahren nicht angefasst“, sagte WBM-Sprecherin Steffi Pianka. Eine Garantie, dass das Haus stehen bleibt, ist das nicht: Was danach passiere, halte man sich offen, sagte die WBM-Sprecherin.

"Von den alten Planungen lösen“

Die Bürger sollen in die Überarbeitung der Pläne einbezogen werden. Eine Ausstellung im Alexanderhaus (Alexanderplatz 2) informiert vom 20. August bis zum 6. September über Kollhoffs Änderungsvorschläge: dienstags bis samstags 12 bis 18 Uhr, montags und sonntags 15 bis 18 Uhr. Bei einem Bürgerworkshop am 1. September haben alle Interessierten die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen.

Die Grünen bezeichneten die Diskussion über den Alex als überfällig. Fraktionschefin Antje Kapek sagte, es reiche aber nicht aus, an Kollhoffs altem Masterplan herumzudoktern. Spätestens seit das frühere Haus des Reisens und das Haus des Berliner Verlags als Baudenkmale in die Denkmalliste aufgenommen wurden, sei klar, dass der Masterplan nicht funktioniere. „Die Diskussion sollte sich daher von den alten Planungen lösen“, so Kapek. CDU-Fraktionsvize Stefan Evers will hingegen mit Kollhoff planen: „Der zwanzig Jahre alte Masterplan für den Alexanderplatz muss mit neuem Leben gefüllt werden, damit die Entwicklung realistisch bleibt.“