Masterplan soll Insolvenz abwehren: Der Berliner Tierpark steht vor der Pleite

Berlin - Die Lage ist ernster als gedacht: Der Tierpark in Friedrichsfelde steht kurz vor der Pleite. Nach Informationen der Berliner Zeitung bewege sich der Tierpark „am Rande der Insolvenz“, heißt es aus Kreisen der Geschäftsführung. Der Direktor von Zoo und Tierpark, Andreas Knieriem, sagte der Berliner Zeitung: „Der Tierpark ist arm wie eine Kirchenmaus. Alle Rücklagen sind aufgebraucht.“

Jedes Jahr stehen dem Tierpark etwa 13 Millionen Euro zur Verfügung. 6,2 Millionen Euro gibt das Land Berlin, etwa 5 Millionen Euro sind Einnahmen aus Eintritten. Die größten Ausgaben sind 8 Millionen Euro für Lohnkosten, 1,7 Millionen Euro Heizkosten und 860.000 Euro für Futter. „Für dringende Investitionen fehlt das Geld“, sagt Knieriem.

Und für die Beseitigung von Altlasten. Denn am meisten belasten den Direktor die etwa 100 000 Tonnen verseuchten Bauschutt, die am Rande des Tierparks lagern und die aus der Amtszeit seines Vorgängers Bernhard Blaszkiewitz stammen. Bis heute ist nicht geklärt, wie es passieren konnte, dass offenbar unbemerkt mehrere tausend Lkw-Ladungen mit umweltbelastetem Bauschutt von Berliner Baustellen in den Tierpark geschüttet werden konnten.

Gespräche mit dem Land Berlin

Nachdem Gutachter im Auftrag des Tierparks die wahren Mengen an Bauschutt und deren Schadstoffgehalt ermittelt haben, steht nun fest: Die Entsorgung der illegalen Bauschuttdeponie kostet Knieriem zufolge mindestens 2,4 Millionen Euro – Geld, das der Tierpark gar nicht hat. Dem Vernehmen nach soll die Entsorgung der Bauschuttberge das Budget des Tierparks übersteigen.

Der Tierpark hat Klage eingereicht gegen eine Bauschuttfirma aus Charlottenburg und geht auch gegen den früheren Tierparkchef Blaszkiewitz juristisch vor. Doch Knieriem will offenbar nicht jahrelang warten, bis die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind, der Tierpark-Chef will die Bauschuttdeponie möglichst schnell loswerden. Er sagt, die finanzielle Situation für den Tierpark sei wegen der Schuttberge „sehr bedrohlich“.

Gemeinsam mit Vertretern des Landes Berlin laufen derzeit Gespräche, in denen es auch darum geht, Teile des Wirtschaftshofes am Rande der Anlage an das Land Berlin abzugeben, damit die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge dort Wohnungen bauen kann.

Seit dem Bekanntwerden dieser internen Pläne häufen sich die Vorwürfe gegen den 49-jährigen Veterinärmediziner aus München, er wolle den Ost-Berliner Tierpark verkaufen. Die Lichtenberger Linksfraktion teilt mit, sie lehne einen „Ausverkauf des Tierparks“ ab. Sie wolle ihn weiterentwickeln, „eine Verkleinerung der Fläche gehört nicht dazu“, schreibt die Linken-Fraktionsspitze. Thomas Ziolko, Vorsitzender des Fördervereins für Zoo und Tierpark, sagt, manche der 2500 Mitglieder seien jetzt „irritiert und ängstlich“ angesichts der aktuellen Berichte über den Verkauf von Flächen. Andere wollten gar schon wissen, dass Knieriem 20 Hektar abgeben wolle, darunter sei auch das frühere Wohnhaus der früheren Tierpark-Direktoren Heinrich Dathe und Bernhard Blaszkiewitz.

Ein Rettungsplan soll helfen

Tierpark-Chef Knieriem sagt: „Wir wollen keinen Ausverkauf des Tierparks. Und überall dort, wo Tiere wohnen, wird nichts verkauft.“ Doch es müsse erlaubt sein, darüber nachzudenken, woher der Tierpark das dringend benötigtes Geld erhalten könne. Von den derzeit 160 Hektar Fläche im Tierpark sind etwa 50 Hektar ungebaute, bzw. durch die Schuttberge kontaminierte Fläche. Sollte der Tierpark einige Hektar an das Land Berlin abgeben, bleibe der Tierpark immer noch der größte Landschaftstierpark Europas, so Knieriem.

Derzeit arbeitet der Direktor mit einem Team aus Architekten und Landschaftsplanern an einem Masterplan, den er im Februar 2015 vorstellen will. Gehege und Anlagen im Tierpark sollen artgerecht umgebaut werden, thematische Erlebniswelten eingerichtet werden. Die weitläufige Anlage soll schnell attraktiver und familienorientiert umgebaut werden. Das frühere Direktorenhaus könnte für Ausstellungen und als Zooschule für Kinder eingerichtet werden. Sogar eine Kita ist denkbar.

Und auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter sollen sich recht bald verbessern. Der historische Wirtschaftshof könnte komplett erneuert werden, vor allem der Sanitärbereich für die weiblichen Mitarbeiter. „Wir haben einen Haufen ungelöster Probleme“, sagt Knieriem.