Berlin, die ehemals geteilte Stadt, begeht auch an diesem 13. August den Jahrestag des Mauerbaus, sieht sich aber, wie in den Jahren zuvor, damit konfrontiert, dass der Bestand an unzerstörten authentischen Mauerteilen im Vergleich zum Vorjahr wieder geringer geworden ist. Die Frage von Berlinern und Berlinbesuchern, wo denn die Zeugnisse der DDR-Grenze noch gut zu sehen seien, ist immer schwieriger zu beantworten.

Am auffälligsten stellt sich diese negative Entwicklung an der East Side Gallery dar, der früheren Hinterlandmauer, die Friedrichshain und Kreuzberg trennte. Die weltberühmten Gemälde, die nach dem Mauerfall aufgebracht wurden, bringen den Künstlern Einnahmen und den knipsenden Touristen viel Spaß. Sie lassen aber völlig vergessen, dass die DDR-Grenze und der zur Spree liegende Todesstreifen keine spaßige Angelegenheit war.

Die East Side Gallery hat sich vollends zu einem Mauer-Tingel-Tangel entwickelt, wie er schon am Checkpoint Charlie mit seinen Würstchenbuden und falschen Grenzsoldaten zu beklagen ist. Abgesehen von den kleinen blau-weißen Schildern, die den Grenzwall als Denkmal ausweisen, ist von Denkmalschutz wenig zu sehen. Fachkundige Erläuterungen zur Geschichte und Funktion der 1961 errichteten Anlage gibt es nicht. Es ist mit rund 1,3 Kilometern das längste noch erhaltene Mauerstück in Berlin, das als einziges noch eine gewisse Ahnung von der Trennung der Stadthälften zwischen 1961 und 1989 gibt.

Besucherzentrum statt Supermarkt

Dieser Eindruck wurde schon mit der Öffnung einer 40 Meter breiten Lücke gestört, die sich der Bauherr der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof als Spreezugang ausbedungen hatte. 2014 ist das Jahr, in dem die weitere Zerstörung des eingetragenen Baudenkmals in einem eng abgestimmten, gemeinschaftlichen Versagen von Senat, Bezirk und Denkmalschutz vorangetrieben wird.

Der Bau des Hochhauses Living Levels auf dem früheren Todesstreifen vernichtet endgültig die städtebaulichen Bezüge und Proportionen in diesem Areal. Nur mit Mühe ist es möglich, die 1961 von der SED längs der Spree geschlagene Schneise noch nachzuvollziehen. Und ein neben dem Hochhaus geplantes, ausuferndes Hotel wird die Zerstörung komplett machen, weil sie die Mauer zu einem hübsch bemalten Gartenzaun degradiert.