Berlin - Die Überreste der Mauer sind in Berlin längst zur Touristen-Attraktion geworden. So strömen jährlich eine halbe Million Menschen zur East Side Gallery in Friedrichshain, die aus Freude über den Mauerfall vor 24 Jahren von Künstlern aus alle Welt bunt bemalt wurde.

Ein Teilstück davon wird jetzt auch auf der Westseite, in Richtung Spree, zur Ausstellungsfläche – zur West Side Gallery: Auf 350 Metern Mauer gegenüber der Großarena O2 World will der Berliner Fotograf Kai Wiedenhöfer sein Projekt „Wall on Wall“ realisieren. Vom 10. Juli an will er dort Fotos von Mauern aus aller Welt zeigen, die keine Touristenattraktionen sind, sondern tatsächlich als Grenzanlagen dienen.

35 Fotos aus sieben Regionen

„Mauern als steingewordener Ausdruck von Ohnmacht passen gut zu diesem Ort“, sagt Wiedenhöfer. Der preisgekrönte Fotograf hat 35 seiner Mauerfotos aus sieben Regionen der Welt für das Projekt ausgewählt. Darunter die Trennanlage zwischen Nord- und Südkorea, die Greenline auf Zypern und die Peace Line im nordirischen Belfast. Auch die Grenzanlage zwischen den USA und Mexiko und die Mauer, die Israel gegen Attacken aus den palästinensischen Gebieten errichtet hat.

Die jeweils neun Meter breiten und drei Meter hohen Fotos will Wiedenhöfer mit Tapetenleim auf die Westseite kleben. „Sie lassen sich rückstandlos wieder entfernen und beschädigen oder verändern die Mauer nicht“, sagt die Kulturstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne). Dies war Voraussetzung dafür, dass Bezirksamt, Senat und Denkmalschützer dem Projekt zustimmten. Über „Wall on Wall“ wird im Bezirk seit Jahren diskutiert. Kai Wiedenhöfer hatte zunächst vor, ausschließlich Fotos von der israelischen Grenzanlage zu zeigen.

Dies wurde abgelehnt, man wollte keine Gleichsetzung beider Mauern. Begründung: Während der DDR-Wall sich gegen die eigene Bevölkerung richtete, sei der in Israel Instrument einer demokratisch gewählten Regierung gegen Angriffe von außen. Auf Fotos der israelischen Grenzanlage, die vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag als völkerrechtswidrig kritisiert wird, will Wiedenhöfer nicht verzichten, aber sie sind jetzt einige von vielen.

Probeweise wurde schon mal ein Panoramafoto aufgeklebt. Immerhin: „Nach 14 Tagen war es noch unbeschädigt“, sagt der Fotograf. Er sieht sein Projekt auch als eine Art Schutz vor weiteren Mauer-Schmierereien. Bis zum 18. September sollen die Fotos zu sehen sein. Bis dahin, so Stadträtin Herrmann, soll ein Konzept für alle künftigen Ausstellungen fertig sein. Nur eines steht jetzt schon fest: Geld vom Bezirk gibt es nicht. Auch Kai Wiedenhöfer muss die 30 000 Euro, die „Wall on Wall“ kostet, selbst finanzieren. Er hofft, dass genügend Spenden von einer Schweizer Stiftung, der EU und von Interessenten im Internet zusammen kommen. Er sagt: „Gern hätte ich noch ein Begleitprogramm mit Diskussionen, doch dafür reicht das Geld nicht.“