Berlin - Es ist ein chaotisches Bild: Täglich besuchen Tausende Mauertouristen den Checkpoint Charlie, sie hetzen von Ausstellung zu Ausstellung, sehen sich Tafeln einer Open-Air-Schau an und lassen sich mit verkleideten Studenten in Militäruniform fotografieren. Ähnlich ungeordnet sind auch die Grundstücksverhältnisse an diesem historisch bedeutenden Ort, an dem sich kurz nach dem Mauerbau am 27. Oktober 1961 amerikanische und sowjetische Panzer gegenüberstanden – schussbereit.

Klarheit gibt es jetzt zumindest für das Haus Friedrichstraße 45 Ecke Zimmerstraße: Die bundeseigene Bank FMS Wertmanagement hat es an einen britischen Investor verkauft. Nach Informationen der Berliner Zeitung wurde das Geschäft bereits Ende August abgewickelt. Der Kaufpreis beträgt mehr als 15 Millionen Euro.

Rechtsstreit beendet

In dem Haus nutzt Alexandra Hildebrandt, die Chefin des privaten Mauermuseums am Checkpoint Charlie, bereits mehrere Etagen. 2007 wollte sie das Gebäude selbst kaufen, bezahlte den Kaufpreis von 15,5 Millionen Euro aber nicht. Mit der Verstaatlichung der Bank Hypo Real Estate wurde das Gebäude vor vier Jahren der FMS übertragen, die für den Bund als Bad Bank fungiert und die Vermögenswerte abwickeln soll.

Die FMS lag jahrelang mit Hildebrandt im Rechtsstreit, 2011 trat die FMS vom Kaufvertrag zurück, er wurde rückabgewickelt, später sogar Konten von Hildebrandts Arbeitsgemeinschaft 13. August gesperrt. Um die gerichtlichen Auseinandersetzung zu beenden, einigten sich FMS und Hildebrandt in diesem Frühjahr auf eine Art Vergleich: „Wir haben einen Mietvertrag über 25 Jahre abgeschlossen“, sagt Hildebrandt. Für die FMS war damit der Weg für den Verkauf frei.

Hildebrandt will nun ihr Mauermuseum erweitern. Zum alten Teil des Museum, das ihr verstorbener Mann Rainer Hildebrandt 1962 eröffnete, gibt es bereits einen Wanddurchbruch. „Wir führen das Museum im Sinne von Rainer Hildebrandt weiter. Wir dokumentieren, wir interpretieren nicht.“

Kritiker werfen Hildebrandt aber Effekthascherei vor, ihre Ausstellung sei ein Sammelsurium und unstrukturiert, es werde auch mit unterschiedlichen Zahlen zu Maueropfern operiert. Der Senat fühlt sich von Hildebrandt provoziert, etwa als sie vor zehn Jahren als Kunstaktion getarnt 120 Mauerteile und mehr als 1000 Holzkreuze aufstellen ließ. Als Gegenentwurf entwickelte das Land sein Gedenkstättenkonzept. Das umfasst etwa die Gedenkstätte Bernauer Straße und die Stasiopfer-Gedenkstätte in Hohenschönhausen. Am Checkpoint Charlie soll ein neues Museum des Kalten Krieges entstehen.

Einen Platzhalter dafür gibt es bereits mit der Black Box, die auf einer Brachfläche steht. In dem Pavillon erinnert das Land seit 2012 an die Ost-West-Konfrontation. Mit dem Eigentümer, der irischen Investorengruppe Cannon Kirk, ist abgesprochen, dass Berlin für das Museum des Kalten Kriegs 3000 Quadratmeter Fläche in einem neuen Gebäude anmieten wird. Ursprünglich war ein Baubeginn schon für dieses Jahr angekündigt.

Doch die Iren wollen das Black-Box-Areal sowie ihr Grundstück, auf dem das Mauer-Panorama von Yadegar Asisi steht, weiterverkaufen. Es liegt dann am neuen Eigentümer, ob er für das Landesmuseum Flächen zur Verfügung stellt. „Wir sind nach wie vor daran interessiert, ein Zentrum des Kalten Krieges am Checkpoint Charlie aufzubauen“, sagt Günter Kolodziej, der Sprecher der Kulturverwaltung. Man sei im Gespräch, Verhandlungen könnten aber nur mit dem letztendlichen Eigentümer geführt werden.