Mauerpark Berlin: Anwohner beschweren sich über laute Musik – Schallschalen als Lösung?

Eine Anwohnerin lädt an den Wochenenden keine Freunde mehr in ihre Wohnung ein. Wegen der lauten Musik im Mauerpark, sagt sie. Ein Nachbar spricht von „superlauter Verstärkermusik“ und „ohrenbetäubendem Trommellärm“. Der Mann schimpft, an einem normalen Sonntag würden „fünf Bands gleichzeitig ein Mauerpark-Festival“ abhalten. „Seit 2010 geht das so, und der Unmut der Anwohner wird immer größer.“

Mauerpark ist Partyzone und Spielwiese

Der Mauerpark an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen gehört zu den beliebtesten und meist besuchten Grünanlagen der Stadt. Über keinen anderen Park der Stadt wird so heftig und engagiert debattiert. Der Mauerpark ist vor allem an den Wochenenden ein trubeliger Treffpunkt und Erlebnisort für bis zu 50.000 Berliner und Touristen. Sonntags findet ein großer Trödelmarkt statt, im Amphitheater wird Karaoke aufgeführt und auf dem ramponierten Rasen grillen so viele Menschen, dass das Grünflächenamt am Montag sechs Kubikmeter Asche wegschaffen muss.

Auch Boulespieler, Basketballer und Fußballspieler haben ihren Platz gefunden. Zu den Attraktionen gehören die vielen Straßenmusiker. Trommler, Elektromusiker und Schlagzeuger sind dabei. Es kann laut werden. Der Mauerpark ist Partyzone und Spielwiese. Ein Ort für alle.

Mauerpark soll in seiner Lebendigkeit erhalten bleiben

Jahrelang haben die Ordnungsbehörden im Bezirk die sonntäglichen Straßenkonzerte geduldet, obwohl Musizieren in Grünanlagen eigentlich verboten ist. Lediglich die Karaoke-Show von Joe Hatchiban hatte die Behörde bisher für 23 Sonntage im Jahr genehmigt.

Doch nach den Beschwerden der Anwohner im vergangenen Jahr haben Ordnungsamt und Polizei härter durchgegriffen. Sie beschlagnahmten bei Razzien die Instrumente von Musikern. Wie geht es in diesem Frühjahr nun weiter? Lassen sich die Wünsche der Anwohner, Parkbesucher und Straßenmusiker vereinbaren?

Wegen dieser Fragen gab es bisher drei Runde Tische mit allen Beteiligten, am Mittwochabend fand die dritte Runde im Rathaus Pankow statt. „Wir wollen den Mauerpark nicht totbefrieden“, sagt Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke). Der Park solle in seiner Lebendigkeit erhalten bleiben. „Aber die Anwohner dürfen davon nicht krank werden“, sagt er.

Mauerpark-Musiker könnten in Schallschalen spielen

Wenn es in einigen Wochen wärmer geworden ist, werden sonntags wieder tausende Besucher in den Mauerpark strömen. Dann soll es eine Lösung für Musiker und Anwohner geben. So schlagen die Straßenmusiker um den Schlagzeuger Ulrich Schweizer vor, Schallschalen im Mauerpark zu errichten. Darin könnten die Musiker spielen. Die Lautstärke wird reduziert, der Schall von umliegenden Wohnungen abgewendet. Anfangs könnten mobile und aufblasbare Trennwände errichtet werden, später sind fest installierte Pavillons möglich.

Diese Konstruktionen finden bisher viel Zustimmung. Alexander Puell von der Anwohner-Initiative „Freunde des Mauerparks“ spricht von einer „innovativen Lösung“. Für den Park müssten Spielregeln gelten, damit dort alle Spaß haben, er dürfe aber „kein normierter Straßenraum“ werden. Auch der Stadtrat für Umwelt und öffentliche Ordnung, Daniel Krüger (für AfD), findet die Idee der Musikmuscheln gut. Er will die spontanen Konzerte in ausgewiesenen Bereichen erlauben.

Bezirksbürgermeister Benn sagt: „Jeder konstruktive Vorschlag ist es wert geprüft und womöglich ausprobiert zu werden.“ In dieser Saison werde es noch keine endgültige Lösung geben. „Wir stehen am Anfang eines Prozesses“, sagt Benn. „Wir experimentieren, probieren und bewegen uns suchend voran.“