Berlin - Es sei schon „ein historischer Moment, Mauern und Zäune niederzureißen, auch wenn es nur zwischen zwei Bezirken ist“. Mit diesen Worten beschreibt Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) die Erweiterung des Mauerparks um zwei Hektar. Als Verlängerung der Lortzingstraße wurde am Mittwoch zudem ein neuer Verbindungsweg vom Brunnenviertel in Wedding nach Prenzlauer Berg freigegeben.

Mauerstreifen und Gewerbegebiet

120.000 Euro hat die Gestaltung durch die Grün Berlin GmbH gekostet. Historisch bedeutsam ist das allemal: 136 Jahre Trennung sind damit vorbei, denn das Gelände diente ab 1877 als Güterbahnhof, gehörte während der deutschen Teilung zum Mauerstreifen und war auf Weddinger Seite seit den 1970er-Jahren Gewerbegebiet. Für die Bevölkerung war der Zutritt verboten.

Der neue Weg ist nun für Fußgänger und Radfahrer geöffnet. Er ist nur sechs Meter breit und beginnt mit einem skurril wirkenden Zebrastreifen, weil die asphaltierte Verbindung auch eine Gewerbestraße kreuzt. Links und rechts davon sieht es aber zwischen Bäumen und Sträuchern eher nach einer Brachfläche mit festgewalztem Bauschutt aus als nach einem Park.

Den Anwohnern ist das egal. Hauptsache der stark genutzte Mauerpark ist größer geworden. „Wir wollen die Flächen möglichst naturnah belassen“, sagt Rainer Krüger von der Bürgerwerkstatt. Allerdings bange man noch um die zusätzlich geplante Erweiterung um noch einmal drei Hektar. Denn erst wenn der Projektentwickler Klaus Groth Baurecht für sein Wohnviertel nördlich des Gleimtunnels mit 530 Wohnungen erhält – voraussichtlich Ende 2014 – werden auch diese Flächen dem Land übertragen. So ist es in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Land, Eigentümer und Groth-Gruppe festgelegt.

Krüger sagt, das schränke die Freude der Anwohner über die Parkerweiterung ein, die massive Bebauung durch Groth lehne man ab. Dennoch hat die Bürgerwerkstatt Ideen für die Gestaltung entwickelt. „Wir wollen keinen geschniegelten Park“, sagt Krüger. Wiesen und Bäume sollen erhalten bleiben. Die Asphaltstraße könnten Skater und Rollschuhläufer nutzen. Grillplätze sind ebenfalls vorgesehen. Mauergärtner haben Hochbeete angelegt, sie ziehen schon Tomaten, Sonnenblumen und Zucchini.

Christian Gaebler, Staatssekretär für Stadtentwicklung, sagt, man könne jetzt anfangen, ein Gewerbegebiet in einen Park umzuwandeln. 3,57 Millionen Euro stehen zur Verfügung. Bis Ende 2014 wollen Bürgerwerkstatt und Senat ein Gesamtkonzept für die fünf Hektar große Erweiterungsfläche erarbeiten. 2015 soll die Gestaltung beginnen.