Mauerpark in Berlin: Knaack-Klub kommt zurück

Es gab immer ein Ziel, aber keinen genauen Zeitplan: Seit der Zwangsschließung des Knaack-Klubs an der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg vor neun Jahren bemühen sich die Betreiber um die Baugenehmigung für ein neues Kulturhaus am Mauerpark. Längst sollte der Neubau an der Eberswalder Straße eröffnet haben. Doch die Verhandlungen mit allen beteiligten Betrieben und den Behörden waren komplizierter als gedacht.

Nun melden sich die Betreiber mit einer guten Nachricht zurück: „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagt Udo Petter, der das Projekt betreut, der Berliner Zeitung. „Alle wollen das neue Knaack-Kulturhaus und es gibt den politischen Willen aller Parteien, das Projekt schnell umzusetzen.“ Baubeginn soll nach aktuellem Stand nun Mitte 2020 sein, eröffnen könnte der neue Knaack dann etwa anderthalb Jahre später.

Neuer Knaack-Klub: Bezirk Pankow erteilt positiven Bauvorbescheid

Der Senat wird das etwa 2400 Quadratmeter große Grundstücke der Knaack Kulturhaus GbR per Erbbaupachtvertrag übertragen. Dazu gehören die früheren Knaack-Leute Thilo Goos, heute Geschäftsführer von Black Box Music und Matthias Matthies, heute Künstler und Gastronom sowie Projektentwickler Udo Petter. Der Bezirk Pankow hat einen positiven Bauvorbescheid erteilt.

Ende 2010 musste der Knaack-Klub nach langen Rechtsstreitigkeiten schließen. Neu hinzugezogene Nachbarn hatten sich über den nächtlichen Lärm des angrenzenden Klubs mit Konzerten und Disco beschwert.

Am Ende mussten die Betreiber strenge Auflagen erfüllen, Musik durfte nur noch leise gespielt werden, Livekonzerte endeten um 23 Uhr. An den Mischpulten der DJs standen Lärmmessegeräte, war die Musik lauter als 85 Dezibel, leuchtete eine rote Warnlampe. Das war das Ende. „Niemand will in einem Club tanzen, in dem die Musik leiser ist als zu Hause“, sagten die Betreiber und gaben Ende 2010 frustriert auf.

„Der Bezirk ist dem Knaack noch was schuldig“

Dabei hatten sie gar keine Schuld. Vielmehr hatte das Pankower Bauamt schlichtweg vergessen, von den Investoren des Neubaus zu fordern, dass sie Lärmschutzwände einbauen müssen. Am Ende sah sich das Bezirksamt wegen seiner schlampigen Arbeit in der Pflicht, einen geeigneten neuen Standort für den Klub zu finden.

„Der Bezirk ist dem Knaack noch was schuldig“, sagt der frühere Pankower Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) vor wenigen Tagen. „Es geht um eine Wiedergutmachung im konstruktiven Sinne.“ Kirchner, den Senatorin Regine Günter im Dezember 2018 wegen seiner Krebskrankheit als Verkehrsstaatssekretär entlassen hat, hat das Projekt über all die Jahre begleitet und die Betreiber beraten. „Die richtige Antwort auf das Clubsterben ist, einen neuen Club zu bauen“, sagt er.

Und tatsächlich fand er ein geeignetes Grundstück an der früheren Wendeschleife der Straßenbahn M10, die heute bis zum Nordbahnhof weiterfährt. Die Lage scheint ideal, direkte Anwohner gibt es nicht. Das Grundstück gehört dem Land Berlin, es gilt Baurecht. Und die M10, auch „Party-Tram“ genannt, hält direkt vor der Tür.

Im Neubau, einem dreigeschossigen Stahlbetonbau, wird es einen Konzertsaal für etwa 1000 Leute geben, einen kleinen Klub sowie Proberäume, ein Café und einen Biergarten. Über dem Eingang wird wieder das alte Knaack-Logo hängen. Ein Archiv wird eingerichtet für Kunst aus dem Prenzlauer Berg. Und natürlich wird es im neuen Knaack-Kulturhaus wieder Independent-Discos und Konzerte geben. Vor allem für die Knaack-Besucher von früher, die längst Gäste von Ü40-Partys sind.