Berlin - Irgendwann Mitte der Neunziger muss David Hasselhoffs Welt stehen geblieben sein, vielleicht ja in einem deutschen Fernsehstudio: Es ist die Zeit von „Knight Rider“, Hasselhoff ist auf dem Cover jeder Bravo, im Radio läuft seine Single „Du“, und Linda de Mol sitzt auf einem Sofa, neben ihr ein Junge namens Marco.

Marco ist todkrank, und sein größter Traum ist, einmal K.I.T.T, das sprechende Auto, in echt zu sehen. Linda de Mol schüttelt ihr goudablondes Haar. Und schwupps, da ist es, und huch, wer sitzt denn da drin? Der Kleine schlingt seine Arme um den Hals dieses zwei Meter großen, fleischgewordenen Kindertraums. Nur der größte Zyniker wird diese Szene nicht anrührend finden, nicht für einen Moment dankbar sein, dass es David Hasselhoff gibt. David „The Hoff“ Hasselhoff schickte dieses Video kürzlich über seinen Twitter-Feed in die Welt hinaus: „Ich hoffe der Kleine ist okay.“

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Ja, das ist David Hasselhoffs Welt, eine, in der sein Auftreten Leiden heilt. Eine Welt wie eine Überraschungsshow. Nicht anders ist es jedenfalls zu erklären, dass er nur wenige Tage später seine Follower auf Twitter aufforderte: „Check this out! It’s history & important!“ Gemeint war die Berliner East Side Gallery. „Wie kann man diese Mauer einreißen, die Freiheit, Beharrlichkeit und Opfer von Menschenleben bedeutet“, twitterte David Hasselhoff.

Doch jetzt gibt es Hoff-nung! Liebe Berliner Baubehörden, herzlich willkommen bei „Lass dich über-hoffen“: Am Sonntag, dem 17. März will der Hoff an der East Side Gallery sein, um die Mauer zu retten, zu deren Einriss er am Silvesterabend 1989 einst Ost- und Westdeutschen sein „I’ve been Looking For Freedom“ entgegenschmetterte.

Und das, obwohl ihm die Berliner sein Engagement von damals nie so richtig gedankt haben. Auch zwei Jahrzehnte später noch kein Hasselhoffplatz am Brandenburger Tor, noch nicht einmal ein Bild von ihm im Haus am Checkpoint Charlie, schon gar nicht gab es eine Einladung, auf der Jubiläumsfeier 2009 aufzutreten.

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Jetzt hat er sich einfach selbst eingeladen. Aber um einen beliebten Wiedervereinigungsmythos aus der Welt zu räumen: David Hasselhoff sagt, er sei niemals davon ausgegangen, die Maueröffnung habe man ihm und seiner blinkenden Leuchtdiodenjacke zu verdanken. „Großer Müll“, sei das, erklärte er 2011 vor dem Debattierclub der Oxford-Universität zu dem Thema „Wahrheit und Konsequenz“. Schade eigentlich, irgendwie war die Idee ja ganz gut.