Mediaspree: Schlanke Türme an der Spree

Berlin - Er möchte es besser machen als andere Investoren – nicht irgendwelche Häuser bauen, die zwar Rendite abwerfen, aber nicht ins Stadtbild passen. Deshalb hat Franz Rembold, Chef der Berliner Immobilienfirma Agromex, für sein neuestes Projekt am Treptower Spreeufer einen offiziellen Architektenwettbewerb ausgelobt. Das Ergebnis: Entstehen soll ein Ensemble aus drei Hochhäusern, von denen zwei für Eigentumswohnungen von 70 bis 200 Quadratmeter vorgesehen sind, das dritte soll ein Hotel mit Aussichtsrestaurant werden. Entstehen sollen zudem ein Bürgerpark mit Spielplatz, eine Tiefgarage auch für Fahrräder und ein Supermarkt.

Die Arbeit des Kreuzberger Architekten Justus Pysall, der sich gegen 13 Konkurrenten durchsetzte, war deshalb erfolgreich, weil sie behutsam auf den Bürgerentscheid „Mediaspree versenken!“ eingeht. Bei dem Votum hatte im Sommer 2008 eine Mehrheit der Beteiligten in Friedrichshain-Kreuzberg gegen die geplante Bebauung an der Spree und vor allem gegen Hochhäuser gestimmt. Der Entscheid gilt zwar nicht für Treptow-Köpenick, aber auch dort gibt es Bedenken gegen Bauvorhaben. Vor allem in den rund 280 Wohnungen entlang der Fanny-Zobel-Straße unmittelbar hinter dem Agromex-Grundstück, die in den 1990er-Jahren entstanden, macht sich Unmut gegen die Hochhäuser breit.

Bebauung lässt sich nicht verhindern

Viele der Mieter befürchten ein Leben im Hochhaus-Schatten. Noch mehr aber fürchten sie weiter steigende Mieten, wie Anwohnerin Katja Schneider sagt: „Unsere Mieten liegen schon bei über zehn Euro pro Quadratmeter. Wenn hier Luxuswohnungen gebaut werden, steigt alles weiter an und viele können sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten.“

Verhindern lässt sich eine Bebauung dort nicht, wie Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) deutlich macht: Seit 1994 gebe es gültige Baupläne für Hochhäuser auf der 7 000 Quadratmeter großen Industriebrache. Zunächst waren dort drei mit Riegeln verbundene Hochhäuser vorgesehen, die – ähnlich wie die benachbarten Allianz-Bürobauten – eine Barriere zur Spree gebildet hätten. Zuletzt scheiterte ein Investor mit seinem 19-geschossigen Ableger des Kreuzberger Carloft-Projekts. Baustadtrat Hölmer: „Was jetzt dort entstehen soll, ist um Klassen besser als alle Planungen vorher.“

Tatsächlich erscheinen die beiden Wohntürme, die 99 und 110 Meter hoch sind, schlank, fast filigran. Agromex-Chef Rembold: „Der Bezirk hatte von uns verlangt, dass es einen direkten Zugang zur Spree gibt.“ Durch breite Durchgänge sei dies gewährleistet. Auch eine Verschattung der Wohnungen werde es nicht geben. Der Uferweg, aktuell knapp sechs Metern breit, werde auf gut zehn Meter verbreitert. Der von der Politik geforderte Bürgerpark soll jetzt 3 000 Quadratmeter groß werden, tausend Quadratmeter mehr als verlangt. Insgesamt, so Rembold, würden nur gut 17 Prozent des Geländes bebaut – fast 80 Prozent blieben Freifläche, die von allen genutzt werden könne.

Veränderung des Kiezes

Wie teuer die Eigentumswohnungen sein sollen, kann der Agromex-Chef noch nicht sagen. Nicht mal die Baukosten seien abschließend kalkuliert. Dazu zählt auch die Bodensanierung – 30 Tonnen kontaminierte Erde müssen abgefahren werden.

Jetzt ist aber die Politik am Zuge. Ein Bebauungsplan muss aufgestellt werden, was mindestens ein Jahr dauern wird. Die Anwohner haben schon mit Klagen gedroht, sollten ihre Interessen vernachlässigt werden. Dass die Neubauten den Kiez zu einer Top-Wohnadresse machen werden, steht indes fest. Noch gilt das Viertel laut Mietspiegel als einfache Wohnlage. Doch das wird nicht so bleiben, sagt auch Baustadtrat Rainer Hölmer: „Wer nicht zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter zahlen kann, wird hier perspektivisch keine Chance haben.“