Berlin - Professionelle Moderatoren reden mit der gleichen (gut gespielten) Begeisterung über Medienpreise, Hydrokulturgranulat und Flanschmuffen, wenn nur das Honorar stimmt. Im besten Fall entsteht eine freundliche Routine und alle, die das hören, denken sich: „Hätte ich auch gern, diesen Medienpreis!“ (Oder das Hydrokulturgranulat, oder die Flanschmuffe). Aber manchmal denkt sich der Gastgeber einer Gala auch etwas bei der Besetzung des Moderatorenpostens.

Bei der Verleihung der Goldenen Henne am Mittwochabend im Theater am Potsdamer Platz sorgte diese Personalentscheidung für eine familiäre Grundstimmung. Die Sängerin und Moderatorin Inka Bause hatte sich dafür nämlich nicht durch ihre RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“ qualifiziert, sondern durch ihre Herkunft. Als Kind saß sie auf dem Schoß der Entertainerin Helga „die Henne“ Hahnemann, zu deren Erinnerung die Goldene Henne seit 1995 verliehen wird. Inka Bauses Vater, der Komponist Arndt Bause, schrieb nämlich Hits wie „Jetzt kommt dein Süßer“ und „Wo is mein Jeld“ für die 1991 verstorbene Helga Hahnemann, die quasi zur Familie gehörte. Die Moderatorin sagt ganz nachvollziehbar: „Ich stecke da ganz persönlich drin.“

Lebenswerk-Henne für Sänger Frank Schöbel

Um die meisten Preise dieses Abends wurde ein großes Geheimnis gemacht, ein Preisträger stand allerdings schon vorher fest: Lech Walesa, der ehemalige Elektriker auf der Danziger Leninwerft, der dort 1980 den Streik für eine unabhängige Gewerkschaft organisierte, durfte sich den Ehrenpreis „Politik“ abholen. 1997 benutzte in dieser Kategorie Regine Hildebrandt ihre Dankesrede, um ihren Lieblingswitz zu erzählen: Warum dauert das Abitur im Osten 12 und im Westen 13 Jahre? – Im Westen ist ein Jahr Schauspielschule dabei!

Mit einer Henne für sein Lebenswerk wurde Sänger Frank Schöbel, der in diesem Jahr sein 50. Bühnenjubiläum feiert, überrascht. Er widmete 25 Prozent davon allen seinen Frauen (es waren einige). Und nannte besonders Aurora Lacasa, die unter den Gästen war: „Die anderen haben wir heute versteckt.“

Moderator Günther Jauch bekam einen Publikumspreis. Er äußerte einen Verdacht zur Trophäe: „Hat die abgespeckt? Vor zwölf Jahren habe ich auch schon eine bekommen, die kam mir plustriger vor.“ Auch Carmen Nebel ging, wie Sängerin Helene Fischer und Diskuswerfer Robert Harting, nicht ohne Preis nach Hause. Ihr hatte man die „Charity“-Henne zuerkannt. Seit mehr als 20 Jahren kamen bei den von ihr moderierten Sendungen 50 Millionen Euro an Spenden für Wohltätigkeitsorganisationen zusammen.

Die Goldene Henne mit ihrem langen roten Teppich bietet alle Jahre wieder die Gelegenheit, sich im Blitzlicht zu präsentieren. Sängerin Angelika Mann „war extra beim Frisör“, ihr Kollege Dirk Michaelis trug absichtlich ein völlig verknittertes Hemd („Das ist doch lässig!“) und Dagmar Frederic kam in einem BSR-orangen Kleid (Dezenz ist Schwäche!).

Veronika Jarzombek, die als Managerin die Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld groß gemacht hatte (wir erinnern uns an das unwürdige Geschachere ums Geld, als beide im Streit auseinandergingen), führte zur Hennen-Verleihung ihr „nächstes großes Ding“ vor: Die 25-jährige Sängerin Linda Hesse, die seit Wochen zum Verdruss etablierter Schlagergrößen wie Helene Fischer mit ihrem Lied „Ich bin doch kein Mann“ die Charts vieler Radiosender anführt.