Ein Medizinstudium ist sehr teuer. Eine Ausbildung kostet etwa 200.000 Euro.
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PotsdamDie Lausitz wird etwas ganz Besonderes werden – jedenfalls wenn die Träume und Pläne der Potsdamer Landesregierung in Erfüllung gehen. Das alte Kohlerevier im Süden von Brandenburg wird in den kommenden Jahren abgeschaltet. Der Kohleausstieg bis 2038 ist eine vom Bund beschlossene Sache. Damit der Niedergang dieser prägenden Industrie nicht zum Niedergang der gesamten Region wird, soll viel Geld in den geplanten Strukturwandel fließen: Der Bund gibt 17 Milliarden Euro dazu. Ein Teil des Geldes soll an der Uni Cottbus dafür aufgewendet werden, nun doch noch eine staatliche Medizinerausbildung im Land Brandenburg zu etablieren.

Dafür hat Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) nun eine Expertenkommission berufen, die bis Mitte kommenden Jahres ein Konzept vorlegen soll. Das Gremium wird von Karl Max Einhäupl geleitet, immerhin ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité. Die Ministerin spricht davon, dass der Aufbau einer staatlichen Universitätsmedizin das wohl wichtigste Strukturwandelprojekt für die Lausitz ist und eines der größten und anspruchsvollsten der Landesregierung. „Die neue Uni-Medizin wird ein Labor für ganz Deutschland sein“, sagte sie. „Das ist kein Größenwahn, sondern Erfolgsbedingung für das Projekt.“

Auch Einhäupl betonte, dass es nicht die übliche Medizinerausbildung sein soll, sondern dass man die Chancen nutzen wolle, bei einem Neuaufbau an einer Uni auch wirklich etwas Neues zu planen. Es gehe nicht nur um eine reine Arztausbildung, sondern um Aspekte wie Digitalisierung sowie die viel engere Verknüpfung mit der Forschung, aber auch Aspekte der Pflege.

Professor Karl Max Einhäupl, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin Berlin.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Und Ärzte werden gebraucht. In den Weiten Brandenburgs wird nicht nur seit vielen Jahren ein großer Mangel an Landärzten beklagt, auch in den Kliniken herrscht oft Personalnotstand. Zahlen, die das verdeutlichen: Die Prognosen der Kassenärztlichen Vereinigung gehen davon aus, dass in Brandenburg bis 2025 insgesamt 762 Hausärzte und 1025 Fachärzte ersetzt werden müssen. Eine andere Zahl zeigt, dass es in Brandenburg ein eklatantes Defizit gibt: Eine Aufstellung für die fünf ostdeutschen Bundesländer und Berlin zeigt, dass dort zuletzt fast 2000 staatlich finanzierte Medizinstudienplätze pro Jahr bereitstanden. Doch hinter dem Namen Brandenburg steht eine Null.

Dass in Brandenburg als einzigem Flächenland keine Mediziner vom Staat ausgebildet werden, ist historisch bedingt: In der DDR gab es keine Medizinfakultät im heutigen Brandenburg. Nach der Einheit blieb die Medizinerausbildung für beide Länder an der Charité zentralisiert. Das hat den Nebeneffekt, dass zwar viele junge Leute gern nach Berlin ziehen, um Medizin zu studieren, dass aber nur ganz wenige hinterher nach Brandenburg ziehen, um dort als Landarzt oder in einer Klinik zu arbeiten. Um den Notstand zu lindern, wurde 2014 die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) gegründet – aber nicht vom Staat, sondern von den Kliniken in Neuruppin und Brandenburg/Havel. Sie kooperieren mit 33 Kliniken im Land.

Nun bieten der Kohleausstieg und die Fördermillionen die Chance, doch noch eine staatliche Ausbildung aufzubauen. Das Ziel ist, dass möglichst viel in der Lausitz investiert wird, weil bis zu 16.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze in der Kohle und in deren Umfeld wegfallen werden.

Das Besondere an der neuen Ausbildung wird sein, dass die Expertenkommission ein wirklich überzeugendes Konzept vorlegen muss. Denn es muss nicht nur die Landesregierung in Potsdam überzeugt werden, die Sache langfristig zu finanzieren. Sondern es müssen auch alle anderen Bundesländer zustimmen. Da das Projekt im Rahmen des Kohleausstiegs vom Bund bis 2038 mitfinanziert wird, müssen auch die anderen Länder überzeugt werden. Denn eine einseitige Förderung einer bestimmten Region geht immer auch zulasten von Investitionen in anderen Ländern.

„Die Zustimmung aller Landes-Wissenschaftsminister wird es nur geben, wenn alle von dem Konzept überzeugt sind und die plausible Hoffnung haben, in Cottbus etwas für die Uni-Kliniken in ihren eigenen Ländern zu lernen“, sagte Ministerin Schüle.

Kommissonschef Einhäupl spricht nicht nur von einer Ausbildung, die bundesweit Beachtung findet. Er sagte: „In der Lausitz eine international sichtbare Hochschulmedizin zu entwickeln, ist eine große Herausforderung.“

Offiziell werden noch keine Zahlen genannt, aber in der Vergangenheit war davon die Rede, dass bis zu 100 Millionen Euro vom Bund in das Uni-Projekt fließen könnten.