Berlin - Was sagen heutige Teenager, wenn sie jemanden super finden? Glaubt man Jugend-Wörterbüchern (die meist von Alten zusammengestellt werden), dann bedeutet „Swaggernaut“ zum Beispiel extrem coole Person, „Schnitzel“ oder „Playa“ ist ein gut aussehender Typ. Es gibt  „Boyfriend-“ oder „Girlfriend-Material“, und wer „gamsig“ ist, hat Lust auf Sex. Die Partnerin oder den Partner nennt man „Habibi“ und „Süßmo“. Und irgendwann macht man Schluss via „Exting“ (per Textnachricht auf dem Handy).

Ob das alles immer noch so ist, weiß man nicht. Wenn Teenies unter sich sind, ist man ja naturgemäß nicht dabei. Und was gestern noch galt, ist heute schon alt. Die Sprache saugt ständig neue Einflüsse auf.

Unzählige berlinische Partnerbegriffe sind in den Jahrzehnten an meinen Ohren vorbeigerauscht: „meen Männe“, „meen Oller“, „meene Mirze“, „meene Ische“ (vom hebräischen Wort „Ischa“ für Frau), „meen Macker“ (was eigentlich kastrierter Esel bedeutet). Man rief sich: „Puppe“, „Kleene“, „Süßer“, „Hase“, „Fratz“, „Bärchen“, „Perle“, „Schätzchen“, „bessere Hälfte“ und „Zanktippe“ (wenn es oft Streit gab).

Ein wunderschönes Kosewort aus dem alten Berlin ist übrigens „meen Schmackeduzchen“. Man sollte es ganz dringend wiederbeleben, auch wenn es ein bisschen albern klingt. Aber Liebe und albern – das passt ja zusammen.

Frauen wollen nicht „bewundert“ oder „verehrt “werden

Andere Begriffe waren allerdings schon meiner Generation fremd. Zum Beispiel der Ausruf: „Kiek mal, da jeht’n steiler Zahn!“ Heute würden sich viele junge Frauen solch eine Verdinglichung strikt verbitten. Und auch der Begriff „Verehrer“, der zur Zeit meiner Oma, 1892 geboren, noch gang und gäbe war, würde ihnen nichts mehr sagen. „Ich brauche doch keinen, der mich verehrt!“, würden sie rufen. Auch „bewundert“ werden wollen sie nicht.

Ich erinnere mich, welch eine Debatte es um ein kurzes Gedicht des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer gab, das einmal an der Wand der Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf stand. Es stammte von 1951 und endete mit: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“. Am Ende musste das Gedicht auf Wunsch der Studentenvertretung weg, weil es die „patriarchale Kunsttradition“ verkörpere, in der „Frauen ausschließlich die schönen Musen“ seien, und weil es „unangenehm an sexuelle Belästigung“ erinnere. Inzwischen steht es an der Wand eines Hellersdorfer Wohnblocks. 

Meine Oma hätte einst sicher nichts gegen das Gedicht gehabt, obwohl sie sich auch nicht übermäßig gern „verehren“ und „bewundern“ ließ. Sie war eine echte Berlinerin, praktisch und unsentimental. In Rahnsdorf – am Rand der Stadt – machte sie ganz allein ein großes Stück Land urbar, baute ein Haus und nahm später vier Waisenkinder auf.

Von früheren Bekanntschaften sprach sie nur selten. Einer war Maler. Sie nannte ihn „det Malheur“. Einer war Maurer und hieß mit Nachnamen Stein. Sie nannte ihn „Klamotte“. Sehr naheliegend. Und ich glaube, dass sie so was wie „Schmackeduzchen“ aus Spaß auch sehr gern mal gesagt hätte. Und sei es nur zu mir, ihrem kleinen Enkel.

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