Der Preiskampf auf dem Berliner Fernbusmarkt geht in die nächste Runde. Von diesem Mittwoch an steuert Megabus, ein Busunternehmen aus Großbritannien, auch die deutsche Hauptstadt an. Fahrkarten gibt es ab einem Euro, dazu kommt eine Reservierungsgebühr von 50 Cent. Zunächst fahren die Doppeldecker lediglich auf zwei Routen nach Berlin, und auch nur zweimal täglich. Doch das sei erst der Anfang: „Wir wollen weiter expandieren und prüfen alle Möglichkeiten für weitere Strecken“, sagte Edward Hodgson, Managing Director bei Megabus, der Berliner Zeitung. „Die Hauptstadt ist für uns ein sehr wichtiger Markt.“

Bislang sind die Briten vor allem in ihrem Heimatland und in Nordamerika mit ihren blauen Bussen unterwegs, in Deutschland sind sie derzeit nur in wenigen Städten vertreten. Doch jetzt verstärkt das Unternehmen, das ein Ableger der Stagecoach Group ist, sein Engagement in Deutschland – und fährt auch nach Berlin.

Die neuen Verbindungen führen vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Charlottenburg nach Hannover, Dortmund und Köln sowie nach Leipzig, Nürnberg und München. Fünf Millionen Euro wurden investiert, um bei Van Hool in Belgien weitere Doppelstock-Reisebusse der Marke Astromega zu beschaffen. Sie haben Toiletten, Steckdosen, kostenfreies WLAN – und relativ viele Sitzplätze. Jeweils bis zu 87 Passagiere können mitfahren, in einstöckigen Reisebussen nur um die 50.

„Gesunder Wettbewerb“

„Die höhere Platzkapazität trägt dazu bei, dass wir günstige Fahrpreise anbieten können“, sagte der Megabus-Manager. An der Technik und am Personal werde jedenfalls nicht gespart: „Die Busse sind fabrikneu, sie gehören uns. Und das Personal hat unbefristete deutsche Arbeitsverträge.“ Es bekäme ein Betriebs- und Servicetraining, die Sicherheitsrichtlinien seien strenger als EU-Standards.

Mit Niedrigpreisen hatte Stagecoach in Großbritannien konkurrierenden Betreibern den Garaus gemacht. Trotzdem möchte bisher kein deutscher Beobachter von einem Wettbewerb mit Dumpingpreisen sprechen. „Aus unserer Sicht ist das verstärkte Engagement von Megabus kein Problem“, sagte Matthias Schröter vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. „Es ist ein Zeichen dafür, dass es im deutschen Fernbusmarkt einen gesunden Wettbewerb gibt. Wir beobachten das Engagement mit Interesse.“

Noch 2013 war die Angst vor Wettbewerbern aus dem Ausland größer. „Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Marktentwicklung mittelständischen Busunternehmen nicht geschadet hat.“ Viele seien Partner der großen Fernbusfirmen geworden und führen für sie die Fahrten durch. Marktführer Mein Fernbus zeigte sich ebenfalls gelassen. Sprecher Gregor Hintz: „Das Engagement wird keinerlei Einfluss auf unser Wachstum haben. Wir halten an unserem Ziel von tausend Fernbussen bis Ende 2015 fest.“

Kein Gewinn zu erwarten

Doch klar ist auch: „Mit Fahrpreisen von einem Euro ist kein wirtschaftlicher Betrieb möglich“, erklärte Christoph Gipp, Leiter des Bereichs Mobilität beim Institut IGES, der den vor mehr als zwei Jahren liberalisierten Fernbusmarkt in Deutschland analysiert. „Das sind Größenordnungen, die keinen Gewinn erwarten lassen.“

Erst bei Fahrgeldeinnahmen von sieben bis zehn Cent pro Fahrgast und Kilometer würde sich der Betrieb rechnen, hieß es bei Berlinlinienbus, einem Netzwerk von Busbetrieben, an dem die Bahn beteiligt ist. Dort werden die Betriebskosten auf 1,50 Euro pro Kilometer beziffert. Von Berlin nach München sind es knapp 600 Kilometer – das ergäbe in diesem Fall Aufwendungen von 900 Euro.

Megabus ist offenbar groß genug, um eine Durststrecke durchhalten zu können. Auch zeige die Erfahrung, dass nach einer Werbephase die Zahl der Lockangebote zurückgeht, so Gipp. „Dann gibt es einen Mix aus niedrigeren und höheren Tarifen.“ „Unsere Angebote beginnen immer bei einem Euro“, bekräftigte Hodgson. Wenn aber kurzfristig gebucht wird oder stark nachgefragte Fahrten gewählt werden, werde die Reise teurer.

Dass Fernbusse niedrigere Tarife als die Bahn anbieten, hat einen einfachen Grund: Im Schienenverkehr sind die Betriebskosten viel höher. Für die Nutzung von Strecken und Bahnhöfen werden Entgelte fällig, Busbetreiber müssen auch keine Ökostrom-Umlage zahlen. Wie berichtet hat Bahn-Vorstand Ulrich Homburg trotzdem angekündigt, dass die DB mit einem Ausbau ihres Intercity-Netzes auftrumpfen will. DB-Insider erwarten aber nicht, dass alle Pläne verwirklicht werden – sie würden hohe Verluste einbringen.

Ein anderes Unternehmen, dessen Zentrale sich wie bei Megabus ebenfalls in Großbritannien befindet, hat sich aus dem deutschen Fernbusmarkt wieder zurückgezogen. City2City, ein Ableger von National Express, stellte im vergangenen Jahr den Betrieb ein. Die Erträge lagen offenbar deutlich unter den Erwartungen.