Mehdorn über den BER: Neuer Flughafen schon bald zu klein

Berlin - Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hofft, dass der BER im kommenden Jahr eröffnet werden kann. Doch das heißt nicht, dass dort nicht mehr gebaut und ummöbliert wird. Im Gegenteil: Der neue Schönefelder Flughafen werde eine permanente Baustelle bleiben, sagte Mehdorn während einer Diskussion, zu der das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in die Beuth-Hochschule geladen hatte. Das liege vor allem daran, dass die Fluggastzahl weiter wachsen wird. Mehdorn: „Die Kapazitätsgrenze ist erreicht.“

Der Luftverkehr in Berlin boomt, und ein Ende ist nicht in Sicht. Für das vergangene Jahr wurde ein weiterer Rekord gemeldet: mehr als 26,3 Millionen Passagiere. Der BER, so hieß es bisher, sei für jährlich rund 27 Millionen Passagiere ausgelegt. Doch nun bewegt sich die Fluggastzahl schon auf die 30-Millionen-Marke zu, sagte Mehdorn. Das hätte 2004, als die Planungen für den neuen Flughafen konkretisiert wurden, noch „keiner ahnen können“. Mit dem Anstieg der Fluggastzahlen werde man am BER zurechtkommen. Wie und zu welchen Kosten, werde er mit dem Aufsichtsrat erörtern. Dem Vernehmen nach soll das am 4. April geschehen.

Weniger Läden, mehr Security

Wenn der BER endlich in Betrieb geht, werde er bald zu klein sein: Davor haben bereits viele gewarnt – Oppositionspolitiker, aber auch Experten aus der Luftfahrt. Engpässe sehen sie vor allem in der Halle des Terminals, in der Check-In-Schalter, Sicherheitskontrollen und viele, viele Läden konzentriert werden.

Dem Vernehmen nach denken die Flughafenplaner inzwischen darüber nach, einige Geschäfte in andere Bereiche zu verlegen, um mehr Platz für Flughafen-Funktionen zu schaffen. Über diese Umgestaltung soll in absehbarer Zeit entschieden werden. Es zeichne sich auch ab, dass die Gepäckförderanlage in einigen Jahren zu klein sein wird und erweitert werden muss.

In anderen Flughäfen stünden den Passagieren deutlich mehr Gepäckbänder zur Verfügung als am BER – ein Problem, das man mittelfristig angehen müsse, wie es hieß. Um die Kapazität zu erweitern, stehen den Planern noch andere Möglichkeiten zur Verfügung. So erlaubt der Planfeststellungsbeschluss den Bau von „Satelliten“ – zusätzlichen Abfertigungsgebäuden, die mit einem Tunnel unter dem Vorfeld mit dem BER-Terminal verbunden werden sollen.

Der Flughafen bleibt eine Baustelle – das sei nicht ungewöhnlich, sagte Hartmut Mehdorn. Auch anderswo, beispielsweise in London, würden Airports permanent bei laufendem Betrieb erweitert. Ein Vergleich zeige auch, dass der BER nicht teuer wird. 2004 waren nur Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro geplant, es sollte auch keinen unterirdischen Bahnhof geben. Doch nun werde der BER doppelt so groß wie zunächst geplant. „Für diese Größe wird das ein preiswerter Flughafen.“ Offiziell gelten 4,3 Milliarden Euro noch als Kostenrahmen.

Der BER-Chef nannte keinen konkreten Eröffnungstermin. Er bekräftigte aber, dass im Juli im Nordpier ein Testbetrieb starten soll – mit der Germania, die täglich vier bis sechs Flüge in Schönefeld abfertigt. Mehdorn würde schon ein Flug reichen. Wie berichtet hält er es für möglich, dass die Arbeiten am BER Ende 2014 abgeschlossen werden.

Ob das auch für Siemens gilt, ist weiterhin offen. Das Unternehmen bekam im Oktober einen zusätzlichen Auftrag am BER: Es soll die Nachströmung von Frischluft, die bei einem Brand erfolgt, erweitern. Erst hieß es, dass das 18 Monate dauern wird (bis Mitte 2015), nun hält man 15 Monate für denkbar. Am Donnerstag besuchte Siemens-Chef Joe Kaeser mit Mehdorn und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit den BER. „Auf Basis erforderlicher Vorarbeiten wollen wir unseren Beitrag so schnell wie möglich erbringen“, sagte er. Ein Termin wurde nicht bekannt. Kaeser hatte Mehdorn mit der Aussage, es reiche, wenn der BER in fünf oder zehn Jahren fertig wird, verärgert.