Berlin/ StrausbergAuch in den kommenden Monaten müssen sich die Fahrgäste darauf einstellen, dass S-Bahn-Strecken wegen Bau- oder Stellwerksarbeiten gesperrt werden. Erste längere Betriebsunterbrechungen wurden jetzt bekannt. So steht einer der wichtigsten Abschnitte im Netz auf der Liste: Auf der östlichen Linie S5 müssen die Reisenden bis zu drei Wochen lang auf Busse umsteigen. Auf anderen Routen stehen ebenfalls Sperrungen mit Schienenersatzverkehr (SEV) an.

Bitte ins Wageninnere durchtreten sowie Mund und Nase bedecken! Trotz Corona sind die S-Bahnen tagsüber ziemlich voll. Wer als Handwerker, Krankenschwester oder Fabrikarbeiter sein Geld verdient, für den ist Homeoffice keine Alternative. Die Betriebsunterbrechungen, die nun in Sicht sind, werden tagtäglich viele Tausend Fahrgäste betreffen.

Zähfließender Verkehr bremst Schienenersatzverkehr der Superlative

„Auf der S5 gibt es drei Bauabschnitte“, sagte ein Bahnsprecher. Es beginnt mit einer Sperrung, die ein sehr langes Teilstück umfasst: Vom 8. Januar, 22 Uhr, bis zum 25. Januar, 3 Uhr, wird die Strecke zwischen dem Biesdorfer Kreuz bis Strausberg Nord nicht befahrbar sein. Aus Richtung Westen kann die S-Bahn dann nur noch bis Friedrichsfelde Ost fahren. In den darauffolgenden 24 Stunden, also bis zum 26. Januar um 3 Uhr, verkürzt sich der gesperrte Abschnitt auf Mahlsdorf–Strausberg Nord. Bis zum 1. Februar, 3 Uhr, ruht der Verkehr immerhin noch auf der S5 zwischen Hoppegarten und Strausberg Nord.

Anlass der Unterbrechung: Zwischen dem Biesdorfer Kreuz und Strausberg Nord wird elektronische Stellwerkstechnik in Betrieb genommen. „Um einen sicheren und verlässlichen Betrieb zu gewährleisten, wird die neue Sicherungstechnik auf dem gesamten Abschnitt ausgiebig getestet“, so der Sprecher. „Auch benachbarte Strecken können davon betroffen sein“ – was lange Abschnitte mit Schienenersatzverkehr zur Folge haben kann. In diesem Fall müssen die Busse besonders weite Strecken zurücklegen, noch dazu auf staugefährdeten Routen wie der Bundesstraße B1/5. Zwischen Friedrichsfelde Ost und Strausberg Nord liegen mehr als 30 Kilometer, ein SEV der Superlative.

Neben der S-Bahn-Trasse liegen Gleise, auf denen Regionalbahnen von und nach Kostrzyn (Küstrin) unterwegs sind. Die Züge der Linie RB26, die in Strausberg, Mahlsdorf, Lichtenberg und am Ostkreuz halten, könnten als schnelle Alternative dienen. Allerdings sind sie schon jetzt oft überlastet. Ob es zusätzliche Zugfahrten geben wird, sei noch nicht entschieden, sagte Holger Reimann von der Niederbarnimer Eisenbahn. „Die S-Bahn hat bei uns Verstärkerfahrten angefragt und wir werden dazu auch ein Angebot abgeben“, teilte er mit.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen auf jeden Fall auf die Sperrung der S5 reagieren. „Während der Baumaßnahme auf der S-Bahn wird die U-Bahn-Linie U5 in ihrem dichten Takt und bezüglich der Fahrzeuggröße mit maximaler Kapazität verkehren“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. Zwischen den U5-Fahrten liegen tagsüber weniger als fünf Minuten. Weil in Biesdorf und Friedrichsfelde auf der Buslinie 192 mit einer erhöhten Nachfrage gerechnet wird, verdoppelt die BVG dort das Angebot.

Wo müssen S-Bahn-Fahrgäste sonst noch mit Sperrungen rechnen? Zum Beispiel auf der S3 zwischen Friedrichshagen und Erkner, wo von 7. Juni bis 9. August Gleise und Weichen erneuert werden. Im Süden Berlins hat der Neubau der Dresdner Bahn erneut zur Folge, dass auf der S2 zwischen Südkreuz und Blankenfelde keine S-Bahnen fahren – diesmal zwischen dem 24. Juni und dem 9. August. Ebenfalls in den Sommerferien steht erneut die S5 auf dem Programm: Wegen Gleis- und Weichenerneuerungen verkehren zwischen Strausberg und Strausberg Nord vom 25. Juni bis 9. August keine Züge.

Eine weitere Sommerbaustelle entsteht auf der S25. Dort wird der Abschnitt zwischen Südkreuz und Lichterfelde Ost vom 1. Juli bis 9. August wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Einrichtung eines elektronischen Stellwerks ist der Grund dafür, dass auch auf dem Nordabschnitt der S25 zeitweise keine S-Bahnen fahren. Betroffen ist zwischen dem 3. und 25. Oktober das Teilstück Schönholz–Hennigsdorf – wieder ein sehr langer Sperrbereich.

Bei der U-Bahn wird im kommenden Jahr ebenfalls gebaut – und gesperrt. Ein neues Projekt betrifft die Linie U7, wo Signale und Leittechnik für ein elektronisches Stellwerk aufgebaut werden. Zwischen Richard-Wagner-Platz und Möckernbrücke müssen Fahrgäste von Frühsommer bis November mit Auswirkungen rechnen. Weil auf der U9 Bahnhöfe instandgesetzt werden, gilt von Ende Juni bis  Anfang August auch zwischen Walther-Schreiber-Platz und Rathaus Steglitz: Bus statt U-Bahn.