Berlin - Was kümmert mich das Klima? Jetzt müssen wir erst mal mit dem Virus fertig werden! Während Corona die Welt in Atem hält, geraten andere Probleme aus dem Blickfeld. Dabei ist der Konsum von Fleisch und Milch, bei deren Produktion große Mengen von Kohlendioxid und Methan frei werden, unverändert ein Treiber der Erderhitzung. Auch die Mobilität bleibt eine Quelle klimaschädlicher Gase. Positive Trends haben sich seit Beginn der Pandemie umgekehrt. Mehr noch: Die Gefahr ist groß, dass dies so bleiben wird.

Sicher, das Fahrrad wird häufiger in Anspruch genommen. Doch die Zahl der Kilometer, die damit zurückgelegt werden, ist relativ gering. Unstrittig ist das private Auto der größte Gewinner der Pandemie. Obwohl die Angst vor einer Ansteckung in Bus und Bahn meist unbegründet ist, haben sich viele Menschen in die Sicherheit ihrer Blechkapseln geflüchtet. Auch wenn Politiker dazu aufrufen, weniger mobil zu sein, hat der Straßenverkehr nicht oder nur unwesentlich abgenommen. Neuere Forschungen zeigen, dass die Autonutzung in Berlin sogar leicht zugenommen hat.

Das soziale Spektrum der Fahrgäste hat sich geändert

Dagegen ist der Marktanteil des Nahverkehrs, der vor Corona in jedem Jahr gestiegen war, ebenso deutlich gesunken, und einiges spricht dafür, dass er sich nicht wieder vollständig erholen wird. Wer sein Umweltkarten-Abo kündigt, wird nicht wieder zurückkehren, wenn das Homeoffice andauert. Wer die Vorzüge seines privaten Pkw neu entdeckt hat, wird ihn ungern gegen kollektive Verkehrsmittel eintauschen.

Autos können sich nur diejenigen leisten, die halbwegs gut verdienen. Damit ist absehbar, dass die zu beobachtende Änderung des sozialen Spektrums der Fahrgäste andauern wird. Für den klimafreundlichen Nahverkehr, der auch künftig darauf angewiesen ist, dass Steuerzahler Investitionen in Bus und Bahn für richtig halten, ist das keine gute Nachricht.